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Endkundentarife Strom
Endkundentarife Strom Ausgabe 26, September 2010
Lohnt der Stromvertrieb in deutschen Großstädten?
Kartellamt schließt Überprüfung des Großhandels in Kürze ab
Schulungstermin für Datenbank & NetPreis am 22. September

Lohnt der Stromvertrieb in deutschen Großstädten?

Der Wettbewerb im Strommarkt nimmt weiter an Fahrt auf: In vielen deutschen Städten und Gemeinden buhlen jeweils schon mehr als einhundert Anbieter um die Gunst der Kunden, wie die auf der Grundlage der ene't-Datenbank "Endkundentarife Strom" erstellte Karte zeigt. Diese macht zudem ersichtlich, dass die "Wettbewerbsdichte" in Bayern und Baden-Württemberg sowie den südlichen Teilen Ostdeutschlands stärker ausgeprägt ist als anderswo. Grundsätzlich können Privathaushalte immer mindestens zwischen 50 unterschiedlichen Stromlieferanten wählen - Tendenz steigend. Bezieht man die Tatsache ein, dass die meisten Anbieter verschiedene Tarifvarianten wie z.B. Ökostrom oder Produkte mit mehrstufiger Preisgarantie offerieren, erhöht sich die Anzahl der Optionen auf Seiten der Verbraucher noch.

Angesichts des entstehenden Wettbewerbsdrucks stellt sich aus Sicht der in den Markt eintretenden Akteure (selbstverständlich) die Frage nach den Gewinnaussichten für neue Angebote. Da die "Vertriebschancen" in Abhängigkeit der stark differierenden Netzentgelte regionalen Schwankungen unterworfen sind, führen Stromanbieter üblicherweise "netzscharfe" Deckungsbeitragsrechnungen durch. In diesem Newsletter nehmen wir eine solche exemplarisch für die zwölf größten Städte Deutschlands vor. Das ene't-Vertriebsportal Marktkompass bietet diese Auswertungsmöglichkeiten für alle deutschen Strom- und Gasverteilnetze.

Methodisch legen wir für unsere Betrachtungen die jeweils günstigsten Sondertarife der örtlichen Grundversorger zugrunde und ziehen die relevanten vom Stromhändler zu tragenden Kostenpositionen in Form von Netzentgelten und gesetzlichen Abgaben ab. Letztere umfassen im einzelnen die einwohnerzahlabhängige Konzessionsabgabe (hier für die Großstädte einheitlich 2,39 ct/kWh), die Stromsteuer (2,05 ct), die KWK-Umlage (0,13 ct) sowie die EEG-Abgabe (2,05 ct). Übrig bleibt eine "Rohmarge", von der noch die (anbieterseitigen) Beschaffungsaufwendungen im Großhandel zu decken sind. Ausgerichtet ist die Erhebung an einem Musterverbrauch von 3.500 kWh im Jahr. Die Bezugnahme auf die günstigeren Sondertarife der Grundversorger basiert auf der Tendenz, dass eine zunehmende Anzahl von Verbrauchern die Spareffekte eines Tarifwechsels erkennt. Ein konkurrierender Lieferant, der ohnehin die Gruppe der preissensiblen Kunden anspricht, wird bestrebt sein, die angebotenen „Spartarife“ der Grundversorger (und natürlich auch der anderen Konkurrenten) zu unterbieten.

Stadt Grundversorger (günstigster Tarif)  Preis* Marge*
Berlin Vattenfall: "Easy Privatstrom" 16,2 ct/kWh 4,3 ct/kWh
Bremen swb: "swb 24" 18,9 ct/kWh 8,6 ct/kWh
Dortmund DEW21: "Strom.online privat" 18,0 ct/kWh 6,6 ct/kWh
Düsseldorf SW Düsseldorf: "Düsselstrom" 18,3 ct/kWh 7,0 ct/kWh
Essen RWE Vertrieb: "RWE Pur" 21,3 ct/kWh 9,6 ct/kWh
Frankfurt Mainova: "Strom Direkt" 17,5 ct/kWh 7,1 ct/kWh
Hamburg Vattenfall: "Easy Privatstrom" 16,0 ct/kWh 4,1 ct/kWh
Hannover SW Hannover: "enercity & Option" 17,1 ct/kWh 6,0 ct/kWh
Köln RheinEnergie: "FairOnline strom" 18,0 ct/kWh 6,6 ct/kWh
Leipzig SW Leipzig: "Strom21.online privat" 18,8 ct/kWh 7,3 ct/kWh
München SWM: "M-Strom Internet" 17,5 ct/kWh 6,5 ct/kWh
Stuttgart EnBW: "EnBW Online" 17,0 ct/kWh 5,1 ct/kWh

* netto, Mittel aus Grund- und Arbeitspreis, keine Vorkassen-Produkte, Erstjahresboni berücksichtigt

Die Ausgangsfrage, ob der Stromvertrieb in deutschen Großstädten lohnt, lässt sich nicht mit einem klaren ja oder nein beantworten. Die Situation stellt sich momentan sehr uneinheitlich dar. Zieht man einmal den Beschaffungspreis an der EEX für eine Lieferung im Kalenderjahr 2011 heran - dieser belief sich Ende August für das SL-Profil H0 (Verhältnis Base/Peak 9:1) auf 5,25 ct pro Kilowattstunde -, so deckt die Marge in den Städten Berlin, Hamburg und Stuttgart nicht einmal den finanziellen Aufwand für den Einkauf. Umgekehrt scheinen vertriebliche Engagements im RWE-Gebiet nach den jüngsten Preisanpassungen lukrativ. Mit Abstrichen gilt dies auch für die Grundversorgungsgebiete der swb (Bremen) oder der Stadtwerke Leipzig.

Kartellamt schließt Überprüfung des Großhandels in Kürze ab

Unterdessen wurde bekannt, dass die kartellamtliche "Sektorenuntersuchung" des Großhandelsmarktes in Kürze ihren Abschluss finden soll. Die Ergebnisse sollen nach Aussage des Präsidenten des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, noch in diesem Jahr präsentiert werden. Die Wettbewerbshüter werten seit April 2009 Marktdaten von 60 Energieerzeugern aus. Untersucht wurden Produktionsmengen und Kosten für die Jahre 2007 und 2008 sowie das Angebotsverhalten der Erzeuger im Stromgroßhandel. Anlass für die Untersuchung sind die gestiegenen Strompreise, die der Behörde zufolge nicht gänzlich auf höhere Brennstoffkosten und Steuern zurückzuführen sind. Zudem besteht ein Verdacht auf eine missbräuchliche Verknappung von Strommengen.

Schulungstermin für Datenbank & NetPreis am 22. September

Am 22. September findet in unserem Hause ein ganztägiger Schulungstermin rund um den Themenkomplex "Endkundentarife Strom & Gas" statt. Die Veranstaltung ist jeweils halbtägig mit unterschiedlichen Schwerpunkten versehen. So stehen am Vormittag die konkreten Datenbankinhalte im Vordergrund. Teilnehmer lernen u.a. die Tabellen sowie deren Verknüpfungen untereinander kennen. Weiterhin wird vermittelt, welche Tarife und Tarifdetails in der Datenbank hinterlegt sind, wie die Informationen in den Formularen angezeigt werden können und wie die Produkte postalisch zuzuordnen sind. Am Nachmittag findet der Workshop "Marktbeobachtung mit NetPreis" statt. Hier präsentieren wir die vielfältigen vertriebsrelevanten Funktionen unserer Kalkulationssoftware NetPreis, die Ihnen zielgerichtete Analysen der komplexen Datenbank-Inhalte ermöglicht.

Sie können die beiden Workshops "Datenbankstruktur Endkundentarife Strom & Gas" sowie "Marktbeobachtung mit NetPreis" getrennt, aber auch gemeinsam im Rahmen einer "Kombischulung" buchen. Sie finden in unseren Schulungsräumen in 41836 Hückelhoven statt. Weitere Informationen erhalten Sie unter der Telefonnummer 02433 52601 0 oder im Internet unter www.enet.eu. Eine Kontaktaufnahme ist zudem über die E-Mail-Adresse info@enet.eu oder über die Fax-Nummer 02433 52601 1 möglich.

Über die ene't GmbH / Impressum

ene't GmbH

Die ene't GmbH mit Sitz in Hückelhoven ist ein Informationsdienstleister für die deutsche Energiewirtschaft. Das im Jahre 2002 gegründete mittelständische Unternehmen stellt über 300 Stadtwerken, Regionalversorgern und Großkonzernen tagesaktuelle Energiepreisdaten zur Verfügung, die diese für eigene Angebots- und Wettbewerbskalkulationen im liberalisierten Markt nutzen.

Das Zitieren (auch auszugsweise) ist nur mit einer Quellenangabe erlaubt. Urheber der Informationen ist die ene't GmbH mit Sitz in 41836 Hückelhoven. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Richtigkeit der angegebenen Informationen.

Fotos: Panthermedia / Shutterstock

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