Aktuelles | 22. November 2016

H-Gas-Kunden genießen eine größere Tarifvielfalt

Wie der Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. (bne) im Juli berichtete, diskutierten Vertreter von Netzbetreibern, Händlern und Kraftwerksbetreibern auf seine Einladung hin über die Zukunft der Versorgung mit niederkalorischem Erdgas (L-Gas) in Deutschland. Dabei ging es auch um die Problematik der Konvertierung unterschiedlicher Gasqualitäten und deren möglichen Einfluss auf die Tariflandschaft.

Rund ein Drit­tel der bun­des­deut­schen Gas­kun­den, ins­be­son­de­re im Nord­wes­ten, bezie­hen L‑Gas aus nord­deut­schen und nie­der­län­di­schen Fel­dern. Gas­händ­ler, die Kun­den in den betref­fen­den Markt­ge­bie­ten ver­sor­gen, müs­sen ent­spre­chen­de L‑Gas-Men­gen ein­kau­fen, oder aber ein Kon­ver­tie­rungs­ent­gelt (gemäß KON­NI Gas) für die tech­ni­sche Umwand­lung von H‑Gas durch den Markt­ge­biets­ver­ant­wort­li­chen entrichten.

Ursprüng­lich soll­te das Ent­gelt zum Okto­ber 2016 aus­lau­fen und durch die all­ge­mei­ne Kon­ver­tie­rungs­um­la­ge abge­löst wer­den. Die Markt­ge­biets­ver­ant­wort­li­chen spra­chen sich aber für eine Ver­län­ge­rung aus, da durch ein ent­fal­len­des Ent­gelt kein Anreiz mehr für Händ­ler bestän­de, tat­säch­lich aus­rei­chend phy­si­ka­li­sches L‑Gas für den Ver­trieb zu beschaf­fen. Die Bun­des­netz­agen­tur ver­län­ger­te die Rege­lung schließ­lich; bis April 2017 wird wei­ter­hin im Markt­ge­biet von GAS­POOL ein Ent­gelt in Höhe von 0,441 EUR/​MWh, im Markt­raum Net­Con­nect Ger­ma­ny in Höhe von 0,453 EUR/​MWh erho­ben (jeweils Rich­tung H- nach L‑Gas).

Auf der bne-Kon­fe­renz wur­de die wei­te­re Erhe­bung dage­gen viel­fach abge­lehnt. Das Ent­gelt führt […] dazu, dass das Sys­tem der getrenn­ten Gas­qua­li­täts­ge­bie­te [auf­recht­erhal­ten] wird. Der Effekt ist eine deut­lich schlech­te­re Wett­be­werbs­si­tua­ti­on für die L‑Gaskunden“, ließ sich bne-Geschäfts­füh­rer Robert Busch zitie­ren. Ein Ver­tre­ter der Mono­pol­kom­mis­si­on unter­stütz­te Busch: Das Ent­gelt schre­cke H‑Gaslieferanten ab, auch L‑Gaskunden zu belie­fern. Die Zahl der Anbie­ter blei­be für L‑Gaskunden somit beschränkt.

Wie sich die Tarif­land­schaft für L- und H‑Gaskunden aktu­ell gestal­tet, zeigt ein Blick in die ene't Daten­bank End­kun­den­ta­ri­fe Gas. Die Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen, die mit H‑Gas belie­fert wer­den, sind mit 10.170 (GAS­POOL 5.247, Net­Con­nect 4.923) deut­lich in der Über­zahl. Dem ste­hen nur 2.019 Postor­te mit nie­der­ka­lo­ri­scher Gas­ver­sor­gung gegen­über (GP 928, NC 1.091). Postor­te kön­nen dabei mehr­fach gezählt sein, wenn sie sich über unter­schied­li­che Markt­ge­bie­te erstrecken.

Tat­säch­lich zei­gen sich in der Anbie­ter- und Tarif­viel­falt Unter­schie­de zwi­schen L‑Gas- und H‑Gas-Gebie­ten. H‑Gas-Kun­den haben im Durch­schnitt in jedem Post­ort die Wahl zwi­schen rund 111 Anbie­tern mit knapp 329 Tarif­va­ria­tio­nen (GAS­POOL 113328, Net­Con­nect 108330; alle Anga­ben ganz­zah­lig gerun­det). In L‑Gas-Gebie­ten sind dage­gen durch­schnitt­lich nur 99 Lie­fe­ran­ten mit 299 Ange­bo­ten aktiv (GP 101305, NC 97293). H‑Gas-Kun­den kön­nen somit im Schnitt aus einer 12 Pro­zent grö­ße­ren Anbie­ter­viel­falt und 10 Pro­zent brei­te­ren Tarif­land­schaft wählen.

Anbie­ter­dich­te, Markt­ge­bie­te und Gas­qua­li­tät
Wei­ße Flä­chen kenn­zeich­nen Gebie­te ohne Gasversorgung

Die höchs­te Anbie­ter­zahl fin­det sich erwar­tungs­ge­mäß in einem hoch­ka­lo­risch ver­sorg­ten Ver­teil­netz. Im sach­sen-anhal­ti­schen Jes­sen (Markt­ge­biet GAS­POOL) kön­nen Gas­kun­den im Netz der NBB Netz­ge­sell­schaft Ber­lin Bran­den­burg mbH zwi­schen 144 Lie­fe­ran­ten und 382 Pro­duk­ten wäh­len. Auch in Thü­rin­gen fin­det sich im Ver­teil­netz der Mit­tel­deut­schen Netz­ge­sell­schaft Gas mbH ein brei­tes Ange­bot in den Orten Lucka (143÷381), Frohns­dorf (142÷380), Wie­he (142÷379) und Artern (142÷377). Die höchs­te Anbie­ter­zahl in einem L‑Gas-Gebiet fin­det sich im nie­der­säch­si­schen Bas­sum (GP, Ver­teil­netz Ava­con AG), dort ste­hen 125 Anbie­ter und 349 Tarif­kom­bi­na­tio­nen zur Wahl.

Über­ra­schen­der­wei­se fin­det sich auch der Post­ort mit der gerings­ten Anbie­ter­dich­te in einem H‑Gas-Markt­ge­biet. Im baden-würt­tem­ber­gi­schen Esch­bronn (Net­Con­nect, Netz­be­reich der EGT Ener­gie GmbH) sind nur 26 Lie­fe­ran­ten mit 96 Pro­duk­ten aktiv. Ähn­lich stellt sich die Tarif­land­schaft im hes­si­schen Meiß­ner (GP, Ener­gie­Netz Mit­te GmbH) mit 37 Anbie­tern und 110 Tari­fen sowie im baye­ri­schen Sulz­heim (NC, Ener­gie­net­ze Bay­ern GmbH, 39101) dar.

Das dünns­te Ange­bot in einem L‑Gas-Markt­ge­biet fin­det sich im hes­si­schen Ebs­dor­fer­grund. Im dor­ti­gen Netz­be­reich der Stadt­wer­ke Mar­burg GmbH (Markt­ge­biet Net­Con­nect) bie­ten 77 Gas­lie­fe­ran­ten in Sum­me 232 Pro­duk­te an. Ins­ge­samt liegt die Anbie­ter­zahl in 1.722, und damit rund 85 Pro­zent der L‑Gas-Postor­te, unter dem bun­des­wei­ten Durch­schnitt von gerun­det 109. Somit sind in L‑Gas-Gebie­ten tat­säch­lich signi­fi­kant weni­ger Lie­fe­ran­ten aktiv als in Markt­ge­bie­ten mit hoch­ka­lo­ri­schem Erdgas.

Einen direk­ten Rück­schluss auf das Preis­ni­veau erlau­ben die­se Zah­len aller­dings nicht. Wäh­rend die Kos­ten der Grund­ver­sor­gung für einen durch­schnitt­li­chen Fami­li­en­haus­halt (Jah­res­ver­brauch 20.000 kWh, instal­lier­te Leis­tung 11 kW) in den L‑Gas-Markt­ge­bie­ten im Mit­tel 1.170,84 Euro betra­gen, wer­den für die glei­che Jah­res­ar­beit in H‑Gas-Gebie­ten 1.220,56 Euro fäl­lig (Bun­des­schnitt 1.212,32 Euro). Auch bei den jeweils güns­tigs­ten Son­der­ta­ri­fen eines Postorts fällt die L‑Gas-Ver­sor­gung im Mit­tel mit 641,63 Euro güns­ti­ger aus als beim Bezug von H‑Gas mit 659,47 Euro (Bun­des­durch­schnitt 656,52 Euro). Der höhe­re Wett­be­werb wirkt offen­bar nicht zwangs­läu­fig kos­ten­dämp­fend, viel­mehr schei­nen ande­re Fak­to­ren eine grö­ße­re Rol­le zu spie­len (Grö­ße der Markt­ge­bie­te, Netz­ent­gel­te, loka­le Kon­zes­si­ons­ab­ga­ben etc.).

Metho­dik: Alle Preis­an­ga­ben net­to. Anzahl der Anbie­ter und Tari­fe wur­de postort­scharf ermit­telt und auf gan­ze Zah­len gerun­det. Tari­fe mit Paket­prei­sen, Vor­aus­kas­se oder Fest­prei­sen sowie Kom­bi­pro­duk­te wur­den nicht berück­sich­tigt. Boni, Rabat­te sowie Stan­dard­auf- und ‑abschlä­ge wur­den einberechnet.

ene't Bran­chen­ta­ge für den Ener­gie­ver­trieb 2017

Wie Anfang des Jah­res ange­kün­digt, keh­ren die ene't Anwen­der­ta­ge 2017 zurück – unter neu­em Namen und mit erneu­er­tem Kon­zept. Der 2010 eta­blier­te Bran­chen­treff fin­det im nächs­ten Jahr unter dem Titel ene't Bran­chen­ta­ge für den Ener­gie­ver­trieb in Ber­lin statt.

Neben der gewohn­ten Ori­en­tie­rung am Ver­trieb lei­tungs­ge­bun­de­ner Ener­gi­en wird sich das The­men­spek­trum erwei­tern und auch den einen oder ande­ren Blick über den Tel­ler­rand ermög­li­chen. Hören Sie sich bei­spiels­wei­se an, was Deutsch­lands bekann­tes­ter Blog­ger Sascha Lobo über die Digi­ta­li­sie­rung der Arbeits­welt zu berich­ten weiß, oder dis­ku­tie­ren Sie mit Ver­brau­cher­schüt­zer Udo Sie­ver­ding über Geschäfts­mo­del­le von Dis­coun­tern. Zudem wer­den neue The­men­fel­der wie Digi­ta­li­sie­rung, IT-Sicher­heit und Soft­ware­stan­dards Ein­zug hal­ten, an denen heu­te kein Ener­gie­lie­fe­rant mehr vorbeikommt.

Vor dem Auf­takt der neu­en Ver­an­stal­tung haben wir unter www​.enet​-bran​chen​ta​ge​.de bereits eine Web­site frei­ge­schal­tet, auf der Sie schon jetzt die ers­ten Pro­gramm­punk­te und Refe­ren­ten nach­le­sen kön­nen. Natür­lich erfah­ren Sie dort auch die genau­en Ter­mi­ne und fin­den Infor­ma­tio­nen zu Ver­an­stal­tungs­ort und Unter­brin­gung. Auch die Mög­lich­keit zur direk­ten Anmel­dung haben wir für Sie eingerichtet.

Haben wir Sie neu­gie­rig gemacht? Dann schau­en Sie doch auf der neu­en Web­site vor­bei oder neh­men Sie Kon­takt zu Frau Hel­ga Kock­erols-Eßer auf (kockerols-​esser@​enet.​eu, Tel. 02433 52601 – 0).

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