Aktuelles | 15. Oktober 2020

Vorläufige Netzentgelte steigen in der Fläche nur moderat

Als Anfang des Monats die steigenden Entgelte in drei von vier Regelzonen bekannt gegeben wurden, ließen sich Preissteigerungen in den nachgelagerten Netzebenen bereits voraussehen. Nur der Übertragungsnetzbetreiber TenneT senkt die Entgelte im kommenden Jahr (-17 %), 50Hertz (+7 %), Amprion (max. +1,3 %) und TransnetBW (+10 %) erhöhen dagegen im Durchschnitt. Hier kommt auch die dritte Stufe zur Einführung bundeseinheitlicher Netzentgelte auf Grundlage des Netzentgeltmodernisierungsgesetzes (NEMoG) zum Tragen.

Der aktu­el­le Trend bei den bereits als vor­läu­fig ver­öf­fent­lich­ten Ent­gel­ten für das Jahr 2021 scheint dies zu bestä­ti­gen, aller­dings fal­len die Teue­run­gen noch mode­rat aus. Betrach­tet an sie­ben reprä­sen­ta­ti­ven Abnah­me­fäl­len stei­gen die Belas­tun­gen für die Mus­ter­kun­den im Schnitt über die Netz­ge­bie­te nach der­zei­ti­gem Stand nicht stär­ker als um +1,1 Pro­zent. Zwar sind erst Ent­gel­te für 249 von 880 Ver­teil­netz­be­trei­bern ver­öf­fent­licht, die­se ver­sor­gen jedoch 12.103 Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen bzw. 84,6 Pro­zent des Bundesgebiets.

Da vie­le neue Preis­blät­ter im SLP-Seg­ment vor allem höhe­re Grund­prei­se aus­wei­sen, sind gerin­ge­re Ver­bräu­che stär­ker von stei­gen­den Kos­ten betrof­fen. Ein Sin­gle-Haus­halt mit einem Jah­res­ver­brauch von 1.500 kWh wird um +1,1 Pro­zent höher belas­tet und muss im Schnitt Netz­ent­gel­te von 166,67 Euro ent­rich­ten. Für einen Fami­li­en­haus­halt (4.000 kWh/​Jahr) hal­biert sich die pro­zen­tua­le Mehr­be­las­tung bereits (+0,5 % auf 321,17 Euro), wäh­rend ein Gewer­be­kun­de (SLP, 40.000 kWh/​Jahr) nahe­zu unver­än­der­te Gebüh­ren zahlt (-0,03 % auf 2.545,97 Euro). Die Durch­schnitts­wer­te sind dabei nach der jewei­li­gen Netz­grö­ße, also den ange­schlos­se­nen Postor­ten, gewich­tet. Ein Schnitt nur über die Preis­blät­ter (ca. +4,5 %) wäre zwar mathe­ma­tisch nicht falsch, besitzt aber wenig Aus­sa­ge­kraft über die rea­len Ver­hält­nis­se, da Ver­teil­netz­be­trei­ber mit klei­nem Netz­ge­biet über­pro­por­tio­nal stark berück­sich­tigt würden.

Leis­tungs­ge­mes­se­ne Kun­den in Gewer­be und Indus­trie müs­sen dage­gen bei höhe­ren Abnah­men leicht stei­gen­de Ent­gel­te ein­kal­ku­lie­ren, abhän­gig von Span­nungs­ebe­ne, instal­lier­ter Leis­tung und Benutzungsstunden:

  • Gewer­be (RLM, Nie­der­span­nung, 35 kW, 100.000 kWh/​a, >2.500 h) +0,5 % auf 6.365,17 Euro
  • Gewer­be (RLM, Nie­der­span­nung, 50 kW, 100.000 kWh/​a, <2.500 h) +0,5 % auf 7.121,12 Euro
  • Gewer­be (RLM, Mit­tel­span­nung, 150 kW, 400.000 kWh/​a, >2.500 h) +0,7 % auf 20.912,58 Euro
  • Gewer­be (RLM, Mit­tel­span­nung, 200 kW, 400.000 kWh/​a, <2.500 h) +0,9 % auf 22.826,88 Euro

Mit der Ver­öf­fent­li­chung wei­te­rer Preis­blät­ter wer­den sich die­se Durch­schnitts­wer­te vor­aus­sicht­lich noch leicht verändern.

Wie wich­tig der Blick in die tat­säch­lich betrof­fe­ne Flä­che ist, zei­gen gro­ße Netz­ge­bie­te, in denen die Ent­gel­te 2021 sogar deut­lich gerin­ger aus­fal­len. Grund dafür sind haupt­säch­lich die stark sin­ken­den vor­ge­la­ger­ten Gebüh­ren in der Ten­neT-Regel­zo­ne, von denen im kom­men­den Jahr bei­spiels­wei­se Anschluss­kun­den der Schles­wig-Hol­stein Netz (-1,5 % auf rela­tiv hohe 11,46 ct/​kWh), EAM Netz (-7 % auf 7,42 ct/​kWh) und Bay­ern­werk Netz (-8,4 % auf 7,44 ct/​kWh) pro­fi­tie­ren wer­den. Aber auch im Ver­teil­netz der Ava­con (Regel­zo­ne 50Hertz) sin­ken die Ent­gel­te deut­lich (-3,7 % auf 8,28 ct/​kWh).

Betrach­tet am Bei­spiel eines Fami­li­en­haus­halts mit einem Jah­res­ver­brauch von 3.500 kWh stei­gen die Netz­ent­gel­te im gewich­te­ten Durch­schnitt somit nur um 0,7 Pro­zent auf dann 8,30 ct/​kWh bzw. in Sum­me 2,10 Euro. Gleich­zei­tig wur­de bekannt, dass die Off­shore-Netz­um­la­ge gemäß § 17f Abs. 5 EnWG leicht von 0,416 auf 0,395 ct/​kWh sinkt. Die Redu­zie­rung der EEG-Umla­ge von 6,756 auf 6,50 ct/​kWh im Rah­men des coro­nabe­ding­ten Kon­junk­tur­pa­kets der Bun­des­re­gie­rung war bereits vor­ab fest­ge­legt. Der Mus­ter­haus­halt wird dadurch ins­ge­samt um 9,70 Euro im Jahr ent­las­tet. Nach der­zei­ti­gem Stand wer­den die leicht gestie­ge­nen Ent­gel­te durch die Umla­gen sogar über­kom­pen­siert, zumin­dest im gewich­te­ten Durchschnitt.

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der vor­läu­fi­gen Strom­netz­ent­gel­te 2021 gegen­über 2020
Abnah­me­fall: Fami­­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Niederspannung

Dabei sin­ken die Gebüh­ren im Netz­ge­biet der baye­ri­schen EVU Gemein­de Hem­ho­fen Strom­ver­sor­gung pro­zen­tu­al am stärks­ten (-31,4 % auf nur noch 6,01 ct/​kWh). Eben­falls güns­ti­ger wer­den die Prei­se für Anschluss­kun­den der Stadt­wer­ke Klin­gen­berg (-17,9 % auf 7,71 ct/​kWh) und der Gemein­de­wer­ke Markt Lich­ten­au (-12,9 % auf 6,81 ct/​kWh), bei­de eben­falls in Bay­ern. In den bei­den baden-würt­tem­ber­gi­schen Gemein­den Gai­lin­gen und Krau­chen­wies pro­fi­tie­ren Netz­kun­den zudem von Kon­zes­si­ons­wech­seln. In Gai­lin­gen wech­selt der Ver­teil­netz­be­trieb von der EKS AG zur Thü­ga Ener­gie­net­ze, sodass zukünf­tig nur noch 7,96 ct/​kWh fäl­lig wer­den (-19,1 %). In Krau­chen­wies über­nimmt Net­ze BW die Kon­zes­si­on von den dor­ti­gen Gemein­de­wer­ken. Ab dem kom­men­den Jahr zah­len Netz­kun­den dort ‑18,9 % weni­ger (8,80 ct/​kWh). Ins­ge­samt sin­ken die Gebüh­ren in 4.288 Postor­ten im Schnitt um ‑4,5 %, in 10 Postor­ten blei­ben sie vor­erst unverändert.

Auf der ande­ren Sei­te erhö­hen auch vie­le Ver­teil­netz­be­trei­ber 2021 ihre Prei­se. In 7.805 Postor­ten stei­gen die Ent­gel­te um durch­schnitt­lich 3,9 %. Beson­ders stark betrof­fen sind Strom­kun­den im Netz der Stadt­wer­ke Lam­brecht (Rhein­land-Pfalz). Für den Mus­ter­haus­halt stei­gen die Kos­ten um +33,6 Pro­zent auf 12,15 ct/​kWh, was deut­lich über dem Schnitt der vor­läu­fi­gen Ent­gel­te liegt. Auch die Prei­se der hes­si­schen Stadt­wer­ke Mül­heim am Main zie­hen um +16,2 % stark an, lie­gen mit 8,83 ct/​kWh noch auf mode­ra­tem Preis­ni­veau. Auch bei den Gemein­de­wer­ken Wei­den­thal (Rhein­land-Pfalz) zeigt sich eine deut­li­che Stei­ge­rung um +15,5 Pro­zent auf 10,19 ct/​kWh. Ähn­lich hoch ist die pro­zen­tua­le Ver­teue­rung der nahe­ge­le­ge­nen Gemein­de­wer­ke Duden­ho­fen mit +14,5 Pro­zent. Die abso­lu­ten Beträ­ge fal­len mit 6,31 ct/​kWh trotz­dem sehr nied­rig aus.

Preis­ni­veau der vor­läu­fi­gen Netz­ent­gel­te Strom 2021 in ct/​kWh
Abnah­me­fall: Fami­­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Niederspannung

Die güns­tigs­ten Ent­gel­te erhe­ben 2021 Ener­gie­netz­te Bay­ern im Netz­be­reich Ger­me­ring mit 4,91 ct/​kWh (-8,6 %). Ein ähn­li­ches Preis­ni­veau fin­det sich mit 5,26 ct/​kWh im Netz­ge­biet der EVI Ener­gie­ver­sor­gung Hil­des­heim in Nie­der­sach­sen (-1 %) und mit 5,32 ct/​kWh im Gebiet der Netz­wer­ke Mer­zig im Saar­land (+2,1 %). Die mehr als dop­pelt so hohen Ent­gel­te der bereits erwähn­ten Stadt­wer­ke Lam­brecht (Pfalz) machen den höchs­ten Anteil auf der Strom­rech­nung des Mus­ter­haus­halts aus. Auch die ein­gangs erwähn­te Schles­wig-Hol­stein Netz zählt trotz leich­ter Sen­kung noch immer zu den teu­ers­ten Netz­be­trei­bern. Ursäch­lich dürf­te hier die Inte­gra­ti­on erneu­er­ba­rer Ener­gi­en sein. Aber auch die rhein­land-pfäl­zi­schen Stadt­wer­ke Kusel ste­chen mit einer Ver­teue­rung um +13,9 Pro­zent auf dann 10,98 ct/​kWh her­vor. Zwi­schen den güns­tigs­ten und teu­ers­ten Ent­gel­ten lässt sich aktu­ell eine Sprei­zung von 147,5 Pro­zent errechnen.

Ers­ten alar­mis­ti­schen Pres­se­mel­dun­gen zum Trotz ergibt sich aus den aktu­el­len Zah­len kein grund­sätz­li­cher drin­gen­der Hand­lungs­be­darf für Strom­ver­trie­be. In Ver­teil­net­zen mit star­ken Ände­run­gen soll­te die eige­ne Kal­ku­la­ti­on natür­lich geprüft wer­den, im lan­des­wei­ten Durch­schnitt fal­len die Anpas­sun­gen aller­dings mode­rat aus. Hier kann es durch­aus rat­sam sein, erst ein­mal die Ver­öf­fent­li­chung der end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te zum Jah­res­wech­sel abzu­war­ten und das eige­ne Mar­gen­po­ten­zi­al noch ein­mal zu prüfen.

Metho­dik: Alle Prei­se ver­ste­hen sich net­to. Der durch­schnitt­li­che spe­zi­fi­sche Arbeits­preis der Netz­ent­gel­te wur­de nach Netz­grö­ße (Anzahl der ange­schlos­se­nen Postor­te) gewich­tet. In den Berech­nun­gen wur­den nur Netz­be­trei­ber berück­sich­tigt, die bereits ein vor­läu­fi­ges Ent­gelt für 2021 bekannt­ge­ge­ben haben. Der spe­zi­fi­sche Kilo­watt­stun­den­preis setzt sich zusam­men aus den Netz­kos­ten (Arbeits­preis + auf die Jah­res­ar­beit umge­leg­ter Grund­preis) und den Kos­ten für das Mess­sys­tem (Ein­ta­rif Drehstromzähler).

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