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Mindestens 19 Prozent der Grundversorger veröffentlichen Preisänderungen zu spät

Traditionell kommt Ende des Energiewirtschaftsjahres Bewegung in die Tariflandschaft. Spätestens wenn im Oktober die Höhe der Umlagen und der Netzentgelte für das Folgejahr bekannt gegeben wird, beginnt auch in zahlreichen Grundversorgungsgebieten das Nachrechnen mit spitzer Feder. Berechnet am Abnahmefall eines typischen Familienhaushalts mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh steigen 2017 die Verteilnetzentgelte um durchschnittlich 9,3 Prozent (vgl. Newsletter Netznutzung Strom Nr. 100). Zudem steigen die gesetzlichen Umlagen und Abgaben um 6,5 Prozent, was die Rohmarge der Stromlieferanten um weitere 18,68 Euro pro Jahr schmälert (vgl. Meldung vom 14.10.2016).

Viele Grundversorger stehen also vor der Wahl, die gesunkene Rohmarge über Beschaffungsvorteile zu kompensieren oder aber die Tarifpreise anzuheben. Dies müssen sie gemäß § 5 Abs. 2 StromGVV spätestens sechs Wochen vorab veröffentlichen, für Änderungen zum 1. Januar 2017 fiel dieser Stichtag theoretisch auf Sonntag, den 20. November. Tatsächlich hatten bis zu diesem Zeitpunkt 235 Stromgrundversorger Änderungen in 573 Tarifen veröffentlicht, was einer prozentualen Gebietsabdeckung von 15,6 Prozent entspricht. Entsprechend ließen sich in der Presse umgehend die ersten Prognosen zu den Preistrends 2017 nachlesen.

Allerdings ist die Tariflandschaft auch nach dem Verstreichen des Stichtags weiterhin in Bewegung. Unter Umgehung der gesetzlichen Frist haben bis eine Woche nach dem Stichtag weitere 55 Grundversorger insgesamt 123 zusätzliche Preisänderungen zum 1. Januar veröffentlicht. Damit ändern sich zum Jahreswechsel insgesamt 696 Grundversorgungstarife (29,2 Prozent aller Tarife), was 290 Versorger betrifft (34,5 Prozent aller Versorger, Gebietsabdeckung 16,3 Prozent). 40 Stromversorger haben bisher angegeben, keine Preisanpassung zum 1. Januar durchzuführen.

Nicht alle Grundversorger heben die Preise an, bei 17 Unternehmen spart der hier betrachtete Familienhaushalt im nächsten Jahr. Am stärksten werden Stromkunden prozentual im angestammten Versorgungsgebiet der Stadtwerke Völklingen Vertrieb GmbH (Saarland) entlastet, wo die Jahreskosten für Barzahler um -5,5 Prozent auf 1.093,53 Euro sinken. 36 Versorger haben zudem einen neuen Preisstand veröffentlicht, nach dem sich die Jahreskosten für Kunden nicht ändern. Dem stehen allerdings 232 Grundversorger mit Preiserhöhungen gegenüber.

Newsletter EKS 056 - Preisänderungen GV 01.01.2017

Preisänderungen in der Grundversorgung zum 01.01.2017
Abnahmefall: Familienhaushalt, 4.000 kWh Jahresverbrauch

Wenig überraschend finden sich die Versorger mit den stärksten Preisanstiegen in den Regelzonen von TenneT und 50Hertz. Die teils massiven Netzentgeltsteigerungen der beiden Übertragungsnetzbetreiber lassen mittelbar auch die Kosten für den Stromvertrieb steigen. So müssen Stromkunden der Stadtwerke Dettelbach (Bayern) mit 1.203,20 Euro im nächsten Jahr 15,2 Prozent mehr für die Grundversorgung im „Eintarif-Öko“ bezahlen. Insgesamt 57 Unternehmen heben die Preise um mehr als 5 Prozent an.

Im Mittel wird die Stromversorgung bei den hier betrachteten Unternehmen teurer. Die nach dem Stichtag veröffentlichen Preisänderungen verstärken diesen Trend minimal. Betrug die Preissteigerung bis zum 20. November durchschnittlich 2,8 Prozent, stieg der Wert mit den nachträglichen Veröffentlichungen marginal auf 2,9 Prozent (jeweils kaufmännisch gerundet). Im Mittel muss der eingangs erwähnte Familienhaushalt 2017 für seinen Stromverbrauch 1.029,46 Euro entrichten (+28,67 Euro). Da bereits 17,7 Prozent der Preisänderungen in der Grundversorgung nach dem gesetzlich gebotenen Stichtag erfolgten, was rund 19 Prozent der Unternehmen mit angestammtem Liefergebiet betrifft, sind weitere Anpassungen zum Jahreswechsel nicht völlig auszuschließen.

Methodik: Alle Preisangaben netto. Es wurden alle Grundversorgungstarife berücksichtigt, die zum 1. Januar 2017 geändert oder deren Gültigkeit bei gleichem Preis aktualisiert wurde.

ene't Branchentage für den Energievertrieb 2017

Newsletter EKS 056 - Branchentage 2017

Wie Anfang des Jahres angekündigt, kehren die ene't Anwendertage 2017 zurück – unter neuem Namen und mit erneuertem Konzept. Der 2010 etablierte Branchentreff findet im nächsten Jahr in Berlin unter dem Titel ene't Branchentage für den Energievertrieb statt.

Neben der gewohnten Orientierung am Vertrieb leitungsgebundener Energien wird sich das Themenspektrum erweitern und auch den einen oder anderen Blick über den Tellerrand ermöglichen. Hören Sie sich beispielsweise an, was Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo über die Digitalisierung der Arbeitswelt zu berichten weiß, oder diskutieren Sie mit Verbraucherschützer Udo Sieverding über Geschäftsmodelle von Discountern. Zudem werden neue Themenfelder wie Digitalisierung, IT-Sicherheit und Softwarestandards Einzug halten, an denen heute kein Energielieferant mehr vorbeikommt.

Vor dem Auftakt der neuen Veranstaltung haben wir unter www.enet-branchentage.de bereits eine Website freigeschaltet, auf der Sie schon jetzt die ersten Programmpunkte und Referenten nachlesen können. Natürlich erfahren Sie dort auch die genauen Termine und finden Informationen zu Veranstaltungsort und Unterbringung. Auch die Möglichkeit zur direkten Anmeldung haben wir dort für Sie eingerichtet.

Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann schauen Sie doch auf der neuen Website vorbei oder nehmen Sie Kontakt zu Frau Helga Kockerols-Eßer auf (kockerols-esser@enet.eu, Tel. 02433 52601-0).

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