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Nur wenig Bewegung in den endgültigen Netznutzungsgebühren

In diesem Jahr mussten die Verteilnetzbetreiber gemäß der Kooperationsvereinbarung Gas X (KoV X) die endgültigen Entgelte bis in die unterste nachgelagerte Netzebene erstmals schon bis zum 16. Dezember veröffentlichen. Der größte Teil der Unternehmen hielt die Frist ein.

In 7.717 Postleitzahl-Ort-Kombinationen wurden die Preise für das Jahr 2019 bekannt gegeben, bzw. die als vorläufig veröffentlichten Gebühren als endgültig deklariert. Dies deckt etwa 70 Prozent des gasversorgten Gebiets der Bundesrepublik ab. Im nach Netzgröße gewichteten Durchschnitt wurden die Gebühren gemessen am Abnahmefall eines Familienhaushalts mit 18.000 kWh Jahresverbrauch leicht um -0,3 Prozent nach unten korrigiert. Für den Musterkunden bedeutet dies im Durchschnitt allerdings nur weniger als einen Euro Unterschied im Jahr.

Regional können sich die Anpassungen deutlicher auswirken. So sinken die endgültigen Entgelte im Netz Leipzig um -22,9 Prozent auf 1,70 ct/kWh, was für den Abnahmefall 87 Euro niedrigere Jahreskosten bedeutet als ursprünglich angegeben. Im Tarifgebiet der ENWG Weimar werden die endgültigen Entgelte um -14,6 Prozent auf 1,52 ct/kWh korrigiert, im Netz der Stadtwerke Ettlingen (Baden-Württemberg) um -14,2 Prozent auf 1,38 ct/kWh. Auch bei den Stadtwerken Heide (Schleswig-Holstein) sinken die Entgelte um -11,7 Prozent auf 1,32 ct/kWh. Insgesamt nehmen Netzbetreiber in 1.004 Postorten Korrekturen nach unten vor. Im mit 6.481 Postorten weitaus größten Teil des Gasversorgungsgebiets erhalten die vorläufigen Entgelte dagegen ohne Preisänderung den Status endgültig.

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Prozentuale Veränderung der endgültigen Gasnetzentgelte 2019 gegenüber den vorläufigen  Abnahmefall: Familien-Haushalt, 18.000 kWh/a, 11 kW Leistung

Nachträgliche Anhebungen der Entgelte finden sich dagegen seltener, betroffen sind nur 232 Postorte. Zudem fallen die Anpassungen geringer aus. Mit +3 Prozent auf 1,32 ct/kWh zeigt sich die höchste prozentuale Steigerung im Netz der Ohra Energie (Thüringen). Korrekturen um +2,5 Prozent nehmen die NG Köthen (Sachsen-Anhalt) vor. RhönEnergie Osthessen korrigiert um +2,9 Prozent. Minimale Korrekturen lassen sich zudem in den Tarifgebieten Westerwald Netz, SW Saarbrücken Netz, Rhein-Sieg Netz, MVV Netze und der SW Gotha beobachten.

Entsprechend reduzieren sich die Unterschiede der endgültigen Entgelte zu den Vorjahresentgelten 2018, nachdem sich bereits in den vorläufigen Entgelten im Schnitt nur geringe Steigerungen erkennen ließen (vgl. Newsletter Netznutzung Gas Nr. 065). Basierend auf den bisher veröffentlichten endgültigen Entgelten wird der Gasverbraucher beim vorliegenden Abnahmefall im nach Netzgröße gewichteten Schnitt nur um +0,1 Prozent höher belastet als 2018, die mittleren Jahreskosten steigen von 291,30 Euro auf 291,67 Euro (1,62 ct/kWh).

Natürlich gibt es auch hier regional deutliche Unterschiede. Wie bereits im vorangegangenen Newsletter berichtet, findet sich die stärkste prozentuale Erhöhung im Netz der Wesernetz Bremen (+30 % auf 1,68 ct/kWh). Auch an weiteren bereits bekannt gewordenen Erhöhungen hat sich mit den endgültigen Entgelten nichts geändert, beispielsweise in den Tarifgebieten Westfalen Wesernetz (+19,9 % auf 1,71 ct/kWh) und Wesernetz Bremerhaven (+14,2 % auf 1,80 ct/kWh). Andere Änderungen rücken dagegen erst jetzt in den Fokus, so die SW Landstuhl (Rheinland-Pfalz, +18,3 % auf 1,46 ct/kWh), SW Deidesheim (+14,4 % auf 1,32 ct/kWh) oder das Tarifgebiet GV Pforzheim Land (Baden-Württemberg, +13,2 % auf 1,82 ct/kWh). Insgesamt finden sich Erhöhungen in 4.750 Postorten, davon in 794 Fällen um 5 Prozent oder mehr. Auch Konzessionswechsel können Preisunterschiede bewirken, so in Bobenheim-Roxheim (Rheinland-Pfalz), wo die Netzentgelte nach dem Übergang von den örtlichen Gemeindewerken auf die SW Frankenthal um +27,8 Prozent höher ausfallen (1,17 ct/kWh).

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Prozentuale Veränderung der endgültigen Gasnetzentgelte 2019 gegenüber 2018  Abnahmefall: Familien-Haushalt, 18.000 kWh/a, 11 kW Leistung

Davon profitieren Gaskunden an anderer Stelle. In Wadern (Saarland) geht der Netzbetrieb von den dortigen Stadtwerken an die energis über, deren Entgelte um -23 Prozent niedriger liegen (1,90 ct/kWh). Auch im nahe gelegenen Saarwelligen übernimmt energis die Konzession von der NWS Saarwelligen, in der Folge werden Gasabnehmer um -10,2 Prozent entlastet. Ohne Wechsel des Verteilnetzbetreibers sinken die Durchleitungsgebühren ebenfalls in vielen Postorten, so im Netz der SW Emmerich (NRW, -29,3 % auf weit unterdurchschnittliche 0,82 ct/kWh, im Netz Leipzig (-22,1 % auf o. g. 1,70 ct/kWh) oder im Tarifgebiet der SW Velten (Brandenburg, -21,1 % auf ebenfalls niedrige 0,93 ct/kWh). Insgesamt sinken die Netzentgelte in 2.625 Postorten, darunter in 607 Fällen um -5 Prozent oder mehr.

Die Preise für den betrachteten Abnahmefall bewegen sich 2019 zwischen 0,78 ct/kWh im Netzgebiet der SW Neuenhaus (Niedersachsen, +1,5 %) und 3,10 ct/kWh der GW Baiersbronn (Baden-Württemberg, +12,6 %). In 880 Postorten liegen die Netzentgelte bei 2 ct/kWh oder mehr, in 3.572 dagegen bei 1,5 ct/kWh oder weniger. Vergleichsweise niedrige Durchleitungsgebühren lassen sich dabei überwiegend im Süden der Republik sowie in Schleswig-Holstein beobachten, von hohen Entgelten ist dagegen vornehmlich der Nordosten betroffen.

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Preisniveau der endgültigen Gasnetzentgelte 2019 in ct/kWh  Abnahmefall: Familien-Haushalt, 18.000 kWh/a, 11 kW Leistung

Auch wenn im Mittel wenig Bewegung in den Preisen ist, scheint die Entwicklung der Entgelte zu diesem Jahreswechsel deutlich abhängig vom Verbrauch zu sein, was für einen starken Einfluss der Grundpreiskomponente spricht. Wird ein Single-Haushalt (7.000 kWh, 6 kW) nach derzeitigem Datenstand im nächsten Jahr um etwa +0,7 Prozent mehr belastet, muss ein Gewerbebetrieb (200.000 kWh, 125 kW) dagegen -0,2 Prozent weniger entrichten. Ein gewerblicher Abnehmer mit einer Jahresabnahme von 5.000.000 kWh (1.450 kW Leistung) wird sogar um rund -1 Prozent entlastet.

Methodik: Der Berechnung liegen die bislang veröffentlichten Entgelte von 329 der 691 Verteilnetzbetreiber zugrunde, die einer Gebietsabdeckung der bundesdeutschen gasversorgten Postorte von rund 70 Prozent entsprechen. Alle Preise verstehen sich netto. Der durchschnittliche Jahrespreis der Netzentgelte wurde nach Netzgröße (Anzahl der angeschlossenen Postorte) gewichtet. Fehlende Angaben (bspw. nach Netzwechseln) werden in den Karten ebenso wie Gebiete ohne Gasversorgung weiß dargestellt. Der ermittelte Jahrespreis setzt sich zusammen aus den Netzkosten und den Kosten für das Messsystem (Standardmesskonfiguration). Der spezifische Kilowattstundenpreis setzt sich zusammen aus den Netzkosten (Arbeitspreis + auf die Jahresarbeit umgelegter Grundpreis) und den Kosten für das Messsystem.

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Redaktion

  • Alexander Moll
    Alexander Moll M. A.
  • Sarah Walter
    Sarah Walter M. A.

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