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Steigende Entgelte und EEG-Umlage zwingen Vertriebe zum Handeln

Konnte man in den vergangenen beiden Jahren zumindest im praxisnahen, nach Netzgröße gewichteten Vergleich noch moderate Änderungen der Netznutzungskosten beobachten, zeigt sich aktuell ein anderer Trend. Im Jahr 2020 sind nicht nur im Durchschnitt der einzelnen Preisblätter der Verteilnetzbetreiber, sondern auch in der Fläche der versorgten Gebiete deutliche Kostensteigerungen zu erwarten. Angekündigt hatte sich dies teils schon Anfang Oktober, als die vier Übertragungsnetzbetreiber ihre Preisblätter veröffentlichten.

Seit diesem Stichtag haben auch bereits rund 200 Netzbetreiber ihre vorläufigen Entgelte im Bereich Strom für das kommende Jahr bekanntgegeben. Dies entspricht einer Gebietsabdeckung von knapp 73 Prozent der bundesdeutschen Postleitzahl-Ort-Kombinationen. Eine Analyse der vorläufigen Entgelte zeigt, dass ein Single-Haushalt mit 1.500 kWh Jahresverbrauch in den betroffenen Postorten um 5,8 Prozent höher belastet wird, was einen Anteil an der Stromrechnung von 166,17 Euro ausmacht. Stärker belastet wird auch ein Gewerbekunde (SLP, 40.000 kWh) mit 2.602,92 Euro (+6,3 Prozent). Leistungsgemessene Abnehmer müssen ebenfalls Mehrkosten einkalkulieren. Bei 100.000 kWh in der Niederspannung (35 kW) steigen die Gebühren um 6,7 Prozent auf 6.470,21 Euro bzw. um 6,9 Prozent auf 7.220,36 Euro (50 kW). Auch in der Mittelspannung sind höhere Durchleitungsgebühren zu erwarten, bei 400.000 kWh (150 kW) 21.128, 17 Euro (+6,3 Prozent) bzw. 23.003,64 Euro (200 kW, +6,4 Prozent).

Für einen klassischen Familienhaushalt mit einer jährlichen Abnahmemenge von 3.500 kWh steigen die Netznutzungskosten im nach Netzgröße gewichteten Durchschnitt um 0,48 ct/kWh. Dies entspricht einer Steigerung von rund 6 Prozent und macht auf der Jahresrechnung des Musterhaushalts einen Mehrbetrag von 16,80 Euro aus. Nach jetzigem Stand kostet die Durchleitung einer Kilowattstunde an diesen Kunden im kommenden Jahr 8,39 ct gegenüber aktuell 7,91 ct. Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten veröffentlichten Entgelt zeigt sich eine Preisspreizung von rund 130 Prozent bzw. 229,74 Euro.

Nur in 15 Postorten bleiben die Entgelte vorläufig unverändert. In 803 Postorten stehen sinkende Preise in Aussicht. Im Schnitt werden Stromkunden allerdings nur um -0,7 Prozent entlastet, was deutlich weniger als einen Cent je Kilowattstunde ausmacht. Im mit 10.050 Postorten weitaus größten Teil der Gebiete mit vorläufigen Entgelten steigen die Durchleitungsgebühren dagegen im kommenden Jahr, und das teils deutlich. Besonders betroffen sind davon die Bundesländer Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Saarland sowie Teile Niedersachsens, von NRW und Rheinland-Pfalz.

108 Karte: Preisniveau der vorläufigen Netzentgelte Strom 2020 in ct/kWh

Prozentuale Veränderung der vorläufigen Stromnetzentgelte 2020 gegenüber 2019
Abnahmefall: Familien-Haushalt, 3.500 kWh/Jahr, SLP, Niederspannung

Rechnerisch steigen die Entgelte in den betroffenen Postorten sogar um 6,6 Prozent, was im Jahr Mehrkosten von 18,20 Euro bedeutet. In 2.401 Postorten steigen die Preise um 10 Prozent oder mehr.

Die größten Senkungen haben die Gemeindewerke Markt Lichtenau (Bayern) angekündigt. Hier sinken die Kosten um -18,7 Prozent von 9,58 ct/kWh auf 7,82 ct/kWh. Auch bei den Stadtwerken Stockach (Baden-Württemberg) ist eine finanzielle Entlastung zu erwarten. Hier werden die Durchleitungskosten um -10,6 Prozent gesenkt: von 9,57 ct/kWh auf 8,56 ct/kWh. Die Netzgesellschaft Schwerin zählt ebenfalls zu den Anbietern, die ihre Kosten im neuen Jahr senken werden. Ihr Preis geht von 6,14 ct/kWh auf 5,51 ct/kWh zurück, was einer Senkung von -10,2 Prozent entspricht.

Höhere Netznutzungsentgelte haben hingegen Kunden der Stadtwerke Heiligenhaus (Nordrhein-Westfalen) zu erwarten. Der Anbieter erhöht seine Kosten von 7,52 ct/kWh auf 8,74 ct/kWh (+16,1 Prozent). Eine prozentuale Erhöhung von ebenfalls 16,1 Prozent haben die Stadtwerke Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) angekündigt. Die Abgabe steigt hier von 7,18 ct/kWh auf 8,34 ct/kWh. Auch die Stadtwerke Velbert (Nordrhein-Westfalen) werden ihren Netznutzungspreis erhöhen: von 7,50 ct/kWh auf 8,67 ct/kWh (+15,6 Prozent).

Zu den Netzbetreibern mit den günstigsten Gebühren für einen Abnahmefall von 3.500 kWh zählen die Stadtwerke Weiden in der Oberpfalz (Baden-Württemberg). Hier wird der Preis um -2,9 Prozent von 5,22 ct/kWh auf 5,07 ct/kWh gesenkt. Trotz prozentualer Preiserhöhungen von 4,2 Prozent bzw. 2,7 Prozent zählen auch die Stadtwerke Metzingen (Baden-Württemberg) sowie die Energienetze Bayern noch zu den günstigsten Netzbetreibern für Familien. In Metzingen wurden Durchleitungskosten von 5,20 ct/kWh (vorher 4,99 ct/kWh) angekündigt, bei den Energienetzen Bayern Kosten von 5,37 ct/kWh (vorher 5,23 ct/kWh).

108 Karte: Preisniveau der vorläufigen Netzentgelte Strom 2020 in ct/kWh

Preisniveau der vorläufigen Netzentgelte Strom 2020 in ct/kWh
Abnahmefall: Familien-Haushalt, 3.500 kWh/Jahr, SLP, Niederspannung

Im Netzgebiet der Gemeindewerke Stammbach (Bayern) müssen Familienhaushalte am tiefsten in die Tasche greifen. Auch wenn die Kosten um -1,31 Prozent gesenkt wurden, zahlen Kunden mit 12,04 ct/kWh hier im bundesdeutschen Durchschnitt am meisten (vorher 12,20 ct/kWh). Die Schleswig-Holstein Netz veranschlagt mit 11,63 ct/kWh ebenfalls recht hohe Netznutzungskosten. Im Vergleich zum laufenden Jahr (10,57 ct/kWh) bedeutet dies eine Steigerung um 10,1 Prozent. Mit einer Anhebung um rund 13 Prozent zählt auch die Elektrizitätsgenossenschaft Engelsberg (Bayern) zu den kostspieligeren Anbietern. Hier steigen die Durchleitungskosten von 9,92 ct/kWh auf 11,21 ct/kWh.

Stromvertriebe werden sich auf die steigenden Transportkosten einstellen müssen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die EEG-Umlage in etwa wieder auf den Vorjahresstand von 2018 ansteigen und den Strompreis 2020 mit 6,756 ct/kWh (+5,5 Prozent) belasten wird. Beim hier betrachteten Musterhaushalt ergibt dies eine weitere Mehrbelastung von 12,29 Euro im Jahr. Die Offshore-Netzumlage bleibt unverändert bei 0,416 ct/kWh. Die Höhe der weiteren Umlagen wird im Laufe des Oktobers bekannt gegeben. Spätestens zum Jahreswechsel dürfte der Markt vor einer großen Welle an Preisanpassungen stehen.

Methodik: Alle Preise verstehen sich netto. Der durchschnittliche spezifische Arbeitspreis der Netzentgelte wurde nach Netzgröße (Anzahl der angeschlossenen Postorte) gewichtet. In den Berechnungen wurden nur Netzbetreiber berücksichtigt, die bereits ein vorläufiges Entgelt für 2020 bekanntgegeben haben. Der spezifische Kilowattstundenpreis setzt sich zusammen aus den Netzkosten (Arbeitspreis + auf die Jahresarbeit umgelegter Grundpreis) und den Kosten für das Messsystem (Eintarif Drehstromzähler).

Ansprechpartner

Redaktion

  • Alexander Moll
    Alexander Moll M. A.
  • Sarah Walter
    Sarah Walter M. A.

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