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Trendumkehr in den vorläufigen Entgelten?

Es ist wieder so weit: der 15. Oktober naht und die Branche erwartet mit Spannung, mit welchen Fremdkosten im folgenden Jahr im leitungsgebundenen Energievertrieb kalkuliert werden muss. Bis zu diesem Tag müssen die Verteilnetzbetreiber ihre (vorläufigen) Entgelte veröffentlichen, zusätzlich geben die Übertragungs­netz­betreiber die Höhe der gesetzlichen Umlagen und Abgaben bekannt.

Nachdem die Entwicklung der Stromnetzentgelte in den vergangenen Jahren nur eine Richtung kannte, deutet sich für 2018 eine überraschende Trendwende an. Unabhängig vom Abnahmefall scheinen die Durchleitungskosten nach dem jetzigen Stand durchweg zu sinken. Bislang wurden die Entgelte für 8.438 Postleitzahl-Ort-Netz-Kombinationen und somit 58,3 Prozent der bundesdeutschen Fläche veröffentlicht und in der ene't Datenbank Netznutzung Strom abgebildet. Ein Singlehaushalt mit einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh wird demnach mit -3,4 Prozent noch am wenigsten entlastet und zahlt im nächsten Jahr durchschnittlich 164,93 Euro Durchleitungsgebühren. Deutlicher profitiert ein Familienhaushalt mit 4.000 kWh Verbrauch von Senkungen (-6,8 Prozent auf 324,45 Euro). Ein Gewerbebetrieb mit 40.000 kWh ohne Leistungsmessung spart nach jetzigen Stand sogar 9,7 Prozent und muss 2018 durchschnittlich 2.621,57 Euro entrichten. Auch höhere Verbräuche in der Leistungsmessung werden entlastet, unabhängig von der Benutzungsdauer werden für 100.000 kWh rund 7 Prozent weniger fällig, für 400.000 kWh reduzieren sich die Entgelte um etwas über 5 Prozent.

Newsletter NNS 102 - Veränderungsanalyse NNE 2018 vorläufig 2900 kWh

Veränderung der Netznutzungsentgelte Strom 2018 (vorläufig) in Prozent
Abnahmefall: Haushalt, Niederspannung, SLP, 2.900 kWh Jahresverbrauch

Diese Entwicklung ist insofern überraschend, als drei der vier Übertragungsnetzbetreiber bereits Ende September steigende Entgelte veröffentlicht hatten, die üblicherweise auf die Verteilnetzebene gewälzt werden. Doch die bislang veröffentlichten Verteilnetzentgelte korrelieren nicht grundsätzlich mit der Entwicklung in den Regelzonen. Zwar zeigen sich erwartungsgemäß die stärksten Senkungen im Regelgebiet der 50Hertz Transmission, die Ende September dank fortschreitendem Netzausbau um 11 Prozent sinkende Entgelte verkündete. Doch sind die bislang stärksten Anhebungen im Verteilnetz in Baden-Württemberg zu verzeichnen, obwohl die vorgelagerten Entgelte im Bereich von Amprion deutlich stärker steigen als bei TransnetBW. Zudem gibt es auch in der Regelzone von TenneT TSO flächendeckende Senkungen, obwohl die Transportkosten um rund 9 Prozent steigen sollen.

Am Beispiel eines durchschnittlichen wechselwilligen Haushalts mit einem Verbrauch von 2.900 kWh im Jahr (Wert für 2015 lt. Monitoringbericht der Bundesnetzagentur) werden nach jetzigem Stand 2018 rund 8,8 ct/kWh spezifischer Arbeitspreis und damit 6 Prozent geringere Entgelte fällig (Werte nach Netzgröße gewichtet). Starke Senkungen nehmen demnach die E.DIS Netz (-18,3 Prozent), wesernetz Bremen (-16,9 Prozent) und TEN Thüringer Energienetze (-9,7 Prozent) vor. Weitere nennenswerte Senkungen finden sich bei Bayernwerk Netz (-7,5 Prozent), Avacon (-7,3 Prozent), WEMAG Netz (-6,7 Prozent) und LEW Verteilnetz (-6,3 Prozent).

Teils starke Aufschläge erwarten den Musterhaushalt dagegen in den Netzen der KWH Netz (+13,1 Prozent), Netze BW (+10 Prozent), Enervie (+6,6 Prozent) und Westnetz (+2,5 Prozent). Insgesamt liegt der Anteil der erfassten Postorte mit sinkenden Entgelten jedoch bei über 70 Prozent.

Es bleibt spannend, ob sich dieser Trend in den folgenden Veröffentlichungen bestätigt und auch noch zum Jahreswechsel in den endgültigen Entgelten niederschlägt. Auch die Entwicklung der gesetzlichen Umlagen dürfte auf großes Interesse stoßen. Der Thinktank Agora Energiewende hatte schon Ende September eine Prognose für die EEG-Umlage gewagt, die 2018 bei leicht reduzierten 6,74 ct/kWh liegen könnte. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) schätzte die Höhe gestern mit 6,71 ct/kWh sehr ähnlich ein.

Sollten sich diese Trends bestätigen, könnte dies 2018 eine deutliche Wettbewerbsbelebung auf dem ohnehin umkämpften Strommarkt auslösen. Die Frage wird sein, ob Stromvertriebe den sinkenden Fremd­kosten­komplex an ihre Kunden durchreichen werden, und nicht zuletzt, wie sich die Beschaffungspreise an der Börse weiter entwickeln werden.

Ob sich in den Verteilnetzentgelten im Gas möglicherweise ein ähnlicher Trend abzeichnet, erfahren Sie in unserem Newsletter in der nächsten Woche.

Methodik: Alle Preise verstehen sich netto. Der durchschnittliche spezifische Arbeitspreis der Netzentgelte wurde nach Netzgröße (Anzahl der angeschlossenen Postorte) gewichtet. In den Berechnungen wurden nur Netzbetreiber berücksichtigt, die bereits ein vorläufiges Entgelt für 2018 bekannt gegeben haben. Der spezifische Kilowattstundenpreis setzt sich zusammen aus den Netzkosten (Arbeitspreis + auf die Jahresarbeit umgelegter Grundpreis) und den Kosten für das Messsystem (Eintarif Drehstromzähler).

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