Aktuelles | 06. Januar 2020

Keine Überraschungen in den endgültigen Entgelten

Zum Jahreswechsel hat der größte Teil der deutschen Verteilnetzbetreiber die endgültigen Entgelte für das Jahr 2020 bekannt gegeben. Schon in den vorläufigen Preisblättern ließ sich eine deutliche Steigerung gegenüber 2019 ablesen (vgl. Newsletter Netznutzung Strom Nr. 108). Auch die finalen Preisstellungen zeigen da keine Trendwende.

In der ene't Daten­bank Netz­nut­zung Strom sind inzwi­schen die als end­gül­tig dekla­rier­ten Preis­blät­ter für 678 der ins­ge­samt 878 Ver­teil­netz­be­trei­ber erfasst. Deren Netz­ge­bie­te umfas­sen 14.647 deut­sche Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen und damit rund 98 Pro­zent der ver­sorg­ten Flä­che. Gro­ße Über­ra­schun­gen fin­den sich in den neu ver­öf­fent­lich­ten Ent­gel­ten nicht, ohne­hin hat­te ein gro­ßer Teil der Grund­ver­sor­ger die Strom­prei­se bereits auf Basis der vor­läu­fi­gen Ent­gel­te sowie stei­gen­den gesetz­li­chen Umla­gen zum 1. Janu­ar ange­passt (vgl. News­let­ter End­kun­den­ta­ri­fe Strom Nr. 60).

Im Durch­schnitt fal­len die Kos­ten­stei­ge­run­gen nach aktu­el­lem Stand etwas weni­ger stark aus als es sich noch im Okto­ber abzeich­ne­te. Wäh­rend die Durch­lei­tungs­ge­büh­ren in 13.548 Postor­ten unver­än­dert als end­gül­tig aus­ge­wie­sen wur­den, senk­ten die Netz­be­trei­ber ihre Ent­gel­te in 848 Postor­ten wie­der gegen­über den vor­läu­fi­gen Preis­blät­tern. Dies betrifft vor allem den Nord­wes­ten Bay­erns, den Groß­raum um Köln sowie den Osten Sach­sens. In 245 Postor­ten stei­gen die Kos­ten dage­gen, so im süd­li­chen Hes­sen und im Osten Nie­der­sach­sens. Im Schnitt sin­ken die nun noch ein­mal ange­pass­ten Netz­ent­gel­te für einen Fami­li­en­haus­halt mit 3.500 kWh Ver­brauch um etwa ‑1,2 Pro­zent. Die stärks­te Sen­kung neh­men die Ahr­tal-Wer­ke in Rhein­land-Pfalz (-11,1 % auf 5,12 ct/​kWh) und die Stadt­wer­ke Vel­bert (NRW) vor (-10,8 % auf 7,73 ct/​kWh). Die höchs­te Kor­rek­tur nach oben lässt sich bei den Stadt­wer­ken Freu­den­stadt (Baden-Würt­tem­berg) beob­ach­ten (+6,3 % auf 8,42 ct/​kWh).

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der end­gül­ti­gen gegen­über den vor­läu­fi­gen Strom­netz­ent­gel­ten 2020
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Nie­der­span­nung

Ein Sin­gle-Haus­halt mit 1.500 kWh Jah­res­ver­brauch wird nach aktu­el­lem Daten­stand im bun­des­wei­ten Durch­schnitt um +5,2 Pro­zent höher belas­tet, was Jah­res­kos­ten von 162,14 Euro aus­macht. Auch Gewer­be­kun­den (SLP, 40.000 kWh) müs­sen mit 2.507,16 Euro im lau­fen­den Jahr +5,8 Pro­zent höhe­re Durch­lei­tungs­ge­büh­ren ent­rich­ten. Leis­tungs­ge­mes­se­ne Abneh­mer wer­den eben­falls höher belas­tet. Bei 100.000 kWh Jah­res­ar­beit in der Nie­der­span­nung (35 kW) fal­len die Gebüh­ren um rund +6 Pro­zent (6.265,93 Euro) höher aus, bzw. um +6,1 Pro­zent (7.010,30 Euro) bei einer Leis­tungs­auf­nah­me von 50 kW. Auch in der Mit­tel­span­nung zeich­nen sich höhe­re Durch­lei­tungs­ge­büh­ren ab, bei 400.000 kWh Jah­res­ver­brauch (bei 150 kW) wer­den 20.395,60 Euro fäl­lig (+6,2 Pro­zent), bei 22.222,44 Euro (200 kW, +6,3 Prozent).

Am Mus­ter­haus­halt mit 3.500 kWh bemes­sen stei­gen die end­gül­ti­gen Ent­gel­te gegen­über dem Vor­jahr um +5,5 Pro­zent auf durch­schnitt­lich 8,14 ct/​kWh und machen somit häu­fig den größ­ten Ein­zel­pos­ten auf der Strom­rech­nung aus. Zwar sin­ken in 1.077 Postor­ten die Prei­se um durch­schnitt­lich ‑2 Pro­zent, in 37 davon auch um mehr als ‑10 Pro­zent, doch dem ste­hen stei­gen­de Ent­gel­te in 13.528 Postor­ten gegen­über. In 2.585 Postor­ten stei­gen die Netz­kos­ten sogar um +10 Pro­zent oder mehr (Durch­schnitt: +6,1 %).

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der end­gül­ti­gen Strom­netz­ent­gel­te 2020 gegen­über 2019
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Nie­der­span­nung

Die größ­te Erhö­hung fin­det sich bei den Stadt­wer­ken Her­born (Hes­sen), wo mit weit über­durch­schnitt­li­chen 10,11 ct/​kWh +40,7 Pro­zent höhe­re Gebüh­ren als 2019 berech­net wer­den. Ähn­lich stark stei­gen die Ent­gel­te der Elek­tri­zi­täts­ver­ei­ni­gung Böb­ing (Bay­ern), hier wer­den 2020 mit 11,33 ct/​kWh um +36,2 Pro­zent höhe­re Prei­se berech­net. Auch bei der Waren­dor­fer Ener­gie­ver­sor­gung (NRW) ver­teu­ert sich die Durch­lei­tung deut­lich um +32,4 Pro­zent, aller­dings liegt das Ent­gelt mit 7,29 ct/​kWh noch immer unter dem Durchschnitt.

Von sin­ken­den Kos­ten pro­fi­tie­ren dage­gen Strom­kun­den im Netz der bereits erwähn­ten Ahr­tal-Wer­ke, hier lie­gen die Ent­gel­te um ‑20,6 Pro­zent unter dem Vor­jah­res­preis. Auch im Netz der baye­ri­schen Stadt­wer­ke Neu­burg a. d. Donau (-17,6 % auf 6,42 ct/​kWh) und der Stadt­wer­ke Hameln (-16,7 % auf 6,45 ct/​kWh) in Nie­der­sach­sen sin­ken die Durch­lei­tungs­prei­se. Die güns­tigs­ten Ent­gel­te wer­den 2020 neben den Ahr­tal-Wer­ken von der Strom- und Gas­netz Wis­mar (5,10 ct/​kWh, ‑13,2 %) in Meck­len­burg-Vor­pom­mern und den Stadt­wer­ken Met­zin­gen (5,20 ct/​kWh, +4,2 %) in Baden-Würt­tem­berg erho­ben. Die höchs­ten Prei­se stel­len dage­gen das baye­ri­sche Elek­tri­zi­täts­werk Hin­de­lang (12,26 ct/​kWh, +7,7 %), die Schles­wig-Hol­stein Netz (11,63 ct/​kWh, +10,1 %) sowie die Stadt­wer­ke Bad Her­ren­alb in Baden-Würt­tem­berg (11,47 ct/​kWh, +16,7 %) in Rech­nung. Zwi­schen dem güns­tigs­ten und teu­ers­ten Netz­be­trei­ber liegt somit eine Preis­span­ne von 140 Prozent.

Preis­ni­veau der end­gül­ti­gen Strom­netz­ent­gel­te 2020 in ct/​kWh
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Nie­der­span­nung

In 50 Postor­ten ist zudem die Netz­kon­zes­si­on auf einen neu­en Betrei­ber über­ge­gan­gen. In 4 Postor­ten, in denen das Ver­teil­netz vom Bay­ern­werk auf die SWM Infra­struk­tur über­ge­gan­gen ist, pro­fi­tie­ren Netz­kun­den beson­ders von den neu­en gül­ti­gen Ent­gel­ten. Die­se sin­ken um ‑24 Pro­zent auf nun 6,17 ct/​kWh.

Auch wenn sich die Mehr­be­las­tung der Strom­kun­den in 2020 mit den aktu­el­len Preis­stän­den im Schnitt noch ein wenig redu­ziert hat, hat sich am all­ge­mei­nen Trend gestie­ge­ner Ent­gel­te nichts geän­dert. Eine neue Wel­le von Preis­an­pas­sun­gen in Strom­pro­duk­ten ist somit nicht zu erwarten.

Metho­dik: Alle Prei­se ver­ste­hen sich net­to. Der durch­schnitt­li­che spe­zi­fi­sche Arbeits­preis der Netz­ent­gel­te wur­de nach Netz­grö­ße (Anzahl der ange­schlos­se­nen Postor­te) gewich­tet. In den Berech­nun­gen wur­den nur Netz­be­trei­ber berück­sich­tigt, die bereits ein end­gül­ti­ges Ent­gelt für 2020 bekannt­ge­ge­ben haben. Der spe­zi­fi­sche Kilo­watt­stun­den­preis setzt sich zusam­men aus den Netz­kos­ten (Arbeits­preis + auf die Jah­res­ar­beit umge­leg­ter Grund­preis) und den Kos­ten für das Mess­sys­tem (Ein­ta­rif Drehstromzähler).

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