Aktuelles | 16. Oktober 2019

Steigende Entgelte und EEG-Umlage zwingen Vertriebe zum Handeln

Konnte man in den vergangenen beiden Jahren zumindest im praxisnahen, nach Netzgröße gewichteten Vergleich noch moderate Änderungen der Netznutzungskosten beobachten, zeigt sich aktuell ein anderer Trend. Im Jahr 2020 sind nicht nur im Durchschnitt der einzelnen Preisblätter der Verteilnetzbetreiber, sondern auch in der Fläche der versorgten Gebiete deutliche Kostensteigerungen zu erwarten. Angekündigt hatte sich dies teils schon Anfang Oktober, als die vier Übertragungsnetzbetreiber ihre Preisblätter veröffentlichten.

Seit die­sem Stich­tag haben auch bereits rund 200 Netz­be­trei­ber ihre vor­läu­fi­gen Ent­gel­te im Bereich Strom für das kom­men­de Jahr bekannt­ge­ge­ben. Dies ent­spricht einer Gebiets­ab­de­ckung von knapp 73 Pro­zent der bun­des­deut­schen Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen. Eine Ana­ly­se der vor­läu­fi­gen Ent­gel­te zeigt, dass ein Sin­gle-Haus­halt mit 1.500 kWh Jah­res­ver­brauch in den betrof­fe­nen Postor­ten um 5,8 Pro­zent höher belas­tet wird, was einen Anteil an der Strom­rech­nung von 166,17 Euro aus­macht. Stär­ker belas­tet wird auch ein Gewer­be­kun­de (SLP, 40.000 kWh) mit 2.602,92 Euro (+6,3 Pro­zent). Leis­tungs­ge­mes­se­ne Abneh­mer müs­sen eben­falls Mehr­kos­ten ein­kal­ku­lie­ren. Bei 100.000 kWh in der Nie­der­span­nung (35 kW) stei­gen die Gebüh­ren um 6,7 Pro­zent auf 6.470,21 Euro bzw. um 6,9 Pro­zent auf 7.220,36 Euro (50 kW). Auch in der Mit­tel­span­nung sind höhe­re Durch­lei­tungs­ge­büh­ren zu erwar­ten, bei 400.000 kWh (150 kW) 21.128, 17 Euro (+6,3 Pro­zent) bzw. 23.003,64 Euro (200 kW, +6,4 Prozent).

Für einen klas­si­schen Fami­li­en­haus­halt mit einer jähr­li­chen Abnah­me­men­ge von 3.500 kWh stei­gen die Netz­nut­zungs­kos­ten im nach Netz­grö­ße gewich­te­ten Durch­schnitt um 0,48 ct/​kWh. Dies ent­spricht einer Stei­ge­rung von rund 6 Pro­zent und macht auf der Jah­res­rech­nung des Mus­ter­haus­halts einen Mehr­be­trag von 16,80 Euro aus. Nach jet­zi­gem Stand kos­tet die Durch­lei­tung einer Kilo­watt­stun­de an die­sen Kun­den im kom­men­den Jahr 8,39 ct gegen­über aktu­ell 7,91 ct. Zwi­schen dem nied­rigs­ten und dem höchs­ten ver­öf­fent­lich­ten Ent­gelt zeigt sich eine Preis­sprei­zung von rund 130 Pro­zent bzw. 229,74 Euro.

Nur in 15 Postor­ten blei­ben die Ent­gel­te vor­läu­fig unver­än­dert. In 803 Postor­ten ste­hen sin­ken­de Prei­se in Aus­sicht. Im Schnitt wer­den Strom­kun­den aller­dings nur um ‑0,7 Pro­zent ent­las­tet, was deut­lich weni­ger als einen Cent je Kilo­watt­stun­de aus­macht. Im mit 10.050 Postor­ten weit­aus größ­ten Teil der Gebie­te mit vor­läu­fi­gen Ent­gel­ten stei­gen die Durch­lei­tungs­ge­büh­ren dage­gen im kom­men­den Jahr, und das teils deut­lich. Beson­ders betrof­fen sind davon die Bun­des­län­der Schles­wig-Hol­stein, Sach­sen-Anhalt, Saar­land sowie Tei­le Nie­der­sach­sens, von NRW und Rheinland-Pfalz.

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der vor­läu­fi­gen Strom­netz­ent­gel­te 2020 gegen­über 2019
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Niederspannung

Rech­ne­risch stei­gen die Ent­gel­te in den betrof­fe­nen Postor­ten sogar um 6,6 Pro­zent, was im Jahr Mehr­kos­ten von 18,20 Euro bedeu­tet. In 2.401 Postor­ten stei­gen die Prei­se um 10 Pro­zent oder mehr.

Die größ­ten Sen­kun­gen haben die Gemein­de­wer­ke Markt Lich­ten­au (Bay­ern) ange­kün­digt. Hier sin­ken die Kos­ten um ‑18,7 Pro­zent von 9,58 ct/​kWh auf 7,82 ct/​kWh. Auch bei den Stadt­wer­ken Stock­ach (Baden-Würt­tem­berg) ist eine finan­zi­el­le Ent­las­tung zu erwar­ten. Hier wer­den die Durch­lei­tungs­kos­ten um ‑10,6 Pro­zent gesenkt: von 9,57 ct/​kWh auf 8,56 ct/​kWh. Die Netz­ge­sell­schaft Schwe­rin zählt eben­falls zu den Anbie­tern, die ihre Kos­ten im neu­en Jahr sen­ken wer­den. Ihr Preis geht von 6,14 ct/​kWh auf 5,51 ct/​kWh zurück, was einer Sen­kung von ‑10,2 Pro­zent entspricht.

Höhe­re Netz­nut­zungs­ent­gel­te haben hin­ge­gen Kun­den der Stadt­wer­ke Hei­li­gen­haus (Nord­rhein-West­fa­len) zu erwar­ten. Der Anbie­ter erhöht sei­ne Kos­ten von 7,52 ct/​kWh auf 8,74 ct/​kWh (+16,1 Pro­zent). Eine pro­zen­tua­le Erhö­hung von eben­falls 16,1 Pro­zent haben die Stadt­wer­ke Gre­ves­müh­len (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) ange­kün­digt. Die Abga­be steigt hier von 7,18 ct/​kWh auf 8,34 ct/​kWh. Auch die Stadt­wer­ke Vel­bert (Nord­rhein-West­fa­len) wer­den ihren Netz­nut­zungs­preis erhö­hen: von 7,50 ct/​kWh auf 8,67 ct/​kWh (+15,6 Prozent).

Zu den Netz­be­trei­bern mit den güns­tigs­ten Gebüh­ren für einen Abnah­me­fall von 3.500 kWh zäh­len die Stadt­wer­ke Wei­den in der Ober­pfalz (Baden-Würt­tem­berg). Hier wird der Preis um ‑2,9 Pro­zent von 5,22 ct/​kWh auf 5,07 ct/​kWh gesenkt. Trotz pro­zen­tua­ler Preis­er­hö­hun­gen von 4,2 Pro­zent bzw. 2,7 Pro­zent zäh­len auch die Stadt­wer­ke Met­zin­gen (Baden-Würt­tem­berg) sowie die Ener­gie­net­ze Bay­ern noch zu den güns­tigs­ten Netz­be­trei­bern für Fami­li­en. In Met­zin­gen wur­den Durch­lei­tungs­kos­ten von 5,20 ct/​kWh (vor­her 4,99 ct/​kWh) ange­kün­digt, bei den Ener­gie­net­zen Bay­ern Kos­ten von 5,37 ct/​kWh (vor­her 5,23 ct/​kWh).

Preis­ni­veau der vor­läu­fi­gen Netz­ent­gel­te Strom 2020 in ct/​kWh
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh/​Jahr, SLP, Niederspannung

Im Netz­ge­biet der Gemein­de­wer­ke Stamm­bach (Bay­ern) müs­sen Fami­li­en­haus­hal­te am tiefs­ten in die Tasche grei­fen. Auch wenn die Kos­ten um ‑1,31 Pro­zent gesenkt wur­den, zah­len Kun­den mit 12,04 ct/​kWh hier im bun­des­deut­schen Durch­schnitt am meis­ten (vor­her 12,20 ct/​kWh). Die Schles­wig-Hol­stein Netz ver­an­schlagt mit 11,63 ct/​kWh eben­falls recht hohe Netz­nut­zungs­kos­ten. Im Ver­gleich zum lau­fen­den Jahr (10,57 ct/​kWh) bedeu­tet dies eine Stei­ge­rung um 10,1 Pro­zent. Mit einer Anhe­bung um rund 13 Pro­zent zählt auch die Elek­tri­zi­täts­ge­nos­sen­schaft Engels­berg (Bay­ern) zu den kost­spie­li­ge­ren Anbie­tern. Hier stei­gen die Durch­lei­tungs­kos­ten von 9,92 ct/​kWh auf 11,21 ct/​kWh.

Strom­ver­trie­be wer­den sich auf die stei­gen­den Trans­port­kos­ten ein­stel­len müs­sen. Gleich­zei­tig wur­de bekannt, dass die EEG-Umla­ge in etwa wie­der auf den Vor­jah­res­stand von 2018 anstei­gen und den Strom­preis 2020 mit 6,756 ct/​kWh (+5,5 Pro­zent) belas­ten wird. Beim hier betrach­te­ten Mus­ter­haus­halt ergibt dies eine wei­te­re Mehr­be­las­tung von 12,29 Euro im Jahr. Die Off­shore-Netz­um­la­ge bleibt unver­än­dert bei 0,416 ct/​kWh. Die Höhe der wei­te­ren Umla­gen wird im Lau­fe des Okto­bers bekannt gege­ben. Spä­tes­tens zum Jah­res­wech­sel dürf­te der Markt vor einer gro­ßen Wel­le an Preis­an­pas­sun­gen stehen.

Metho­dik: Alle Prei­se ver­ste­hen sich net­to. Der durch­schnitt­li­che spe­zi­fi­sche Arbeits­preis der Netz­ent­gel­te wur­de nach Netz­grö­ße (Anzahl der ange­schlos­se­nen Postor­te) gewich­tet. In den Berech­nun­gen wur­den nur Netz­be­trei­ber berück­sich­tigt, die bereits ein vor­läu­fi­ges Ent­gelt für 2020 bekannt­ge­ge­ben haben. Der spe­zi­fi­sche Kilo­watt­stun­den­preis setzt sich zusam­men aus den Netz­kos­ten (Arbeits­preis + auf die Jah­res­ar­beit umge­leg­ter Grund­preis) und den Kos­ten für das Mess­sys­tem (Ein­ta­rif Drehstromzähler).

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