Aktuelles | 21. Oktober 2020

Vorläufige Netzentgelte Gas: Preissteigerungen setzen sich fort

Schon im vergangenen Jahr zeichnete sich eine Trendwende in der Entwicklung der Gasnetzentgelte ab. Fielen oder stagnierten die Kosten in den Vorjahren noch, so zeigte die Preiskurve für 2020 erstmals wieder nach oben (vgl. Newsletter 067 und 068). Die neuen vorläufigen Entgelte deuten an, dass sich diese Entwicklung im Jahr 2021 weiter fortsetzt.

Für ins­ge­samt 10.820 gas­ver­sorg­te Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen wur­den seit dem 1. Okto­ber vor­läu­fi­ge Gas­netz­nut­zungs­ent­gel­te für das kom­men­de Jahr ver­öf­fent­licht. Davon betrof­fen sind 692 Netz­be­trei­ber, von denen aktu­ell 650 in den ene't Daten­ban­ken Netz­nut­zung Gas erfasst sind. Dies ent­spricht einem Anteil von rund 94 Prozent.

Im bun­des­deut­schen Durch­schnitt zahlt ein Sin­gle-Haus­halt mit einem jähr­li­chen Ver­brauch von 7.000 kWh zukünf­tig +1,54 Pro­zent höhe­re Netz­ent­gel­te und damit 2,28 Euro/​Jahr mehr. Einen Fami­li­en­haus­halt mit einem Jah­res­ver­brauch von 20.000 kWh erwar­tet eine Erhö­hung um +1,71 Pro­zent. Ein sol­cher Haus­halt zahlt 2021 Mehr­kos­ten von 5,50 Euro/​Jahr. Klei­ne­re Gewer­be­be­trie­be mit einem Ver­brauch von 200.000 kWh wer­den mit 40,18 Euro/​Jahr mehr zur Kas­se gebe­ten. Dies ent­spricht einem Plus von 1,63 Pro­zent. Die Erhö­hung für gro­ße Gewer­be mit einem Ver­brauch von 5.000.000 kWh/​Jahr fällt mit +0,89 Pro­zent etwas gerin­ger aus. Sie müs­sen zukünf­tig 343,32 Euro mehr für die jähr­li­chen Durch­lei­tungs­kos­ten veranschlagen.

Ver­gleicht man die Prei­se der deut­schen Netz­be­trei­ber anhand eines typi­schen Fami­li­en­haus­halts mit einem Jah­res­ver­brauch von 18.000 kWh, so ist eine nach Postor­ten gewich­te­te durch­schnitt­li­che Stei­ge­rung von 1,64 ct/​kWh auf 1,67 ct/​kWh zu beob­ach­ten. Dies ist ein Plus von rund 1,83 Prozent.

Für den genann­ten Mus­ter­haus­halt zäh­len im kom­men­den Jahr die nie­der­säch­si­schen Stadt­wer­ke Neu­en­haus sowie die eben­falls in Nie­der­sach­sen ansäs­si­gen Stadt­wer­ke Lin­gen zu den güns­tigs­ten Netz­be­trei­bern. Ihre Netz­ge­bie­te lie­gen sogar bei­na­he direkt neben­ein­an­der. Für ihre Netz­kos­ten ver­an­schla­gen die bei­den Stadt­wer­ke jeweils 0,80 ct/​kWh. Auch die bran­den­bur­gi­schen Stadt­wer­ke Vel­ten zäh­len mit 0,85 ct/​kWh zu den güns­tigs­ten Netz­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land. Die Ener­gie­net­ze Bay­ern mit einem ver­gleichs­wei­se gro­ßen Netz­ge­biet ver­an­schlagt mit 1,14 ct/​kWh auch noch eher gerin­ge Durchleitungskosten.

Der im bun­des­wei­ten Ver­gleich teu­ers­te Netz­be­trei­ber sind die Stadt­wer­ke Alten­steig aus Baden-Würt­tem­berg mit einem Preis von 3,42 ct/​kWh (trotz einer Sen­kung um ‑2,13 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­jahr). Die Stadt­wer­ke Bad Wild­bad, auch aus Baden-Würt­tem­berg, lie­gen mit 3,08 ct/​kWh eben­falls im obe­ren Preis­seg­ment (trotz Sen­kung um ‑7,76 Pro­zent). Auch die von der baye­ri­schen Erd­gas Wes­tent­han­ner ver­an­schlag­ten Netz­kos­ten von 2,99 ct/​kWh sind im bun­des­wei­ten Ver­gleich eher hoch (trotz Sen­kung um ‑6,69 Pro­zent); eben­so die Kos­ten der bran­den­bur­gi­schen E.DIS Netz mit 2,74 ct/​kWh (trotz Sen­kung um ‑0,48 Prozent).

Preis­ni­veau der vor­läu­fi­gen Netz­ent­gel­te Gas 2021 in ct/​kWh
Abnah­me­fall: Fami­li­en­haus­halt, 18.000 kWh/​a, 11 kW Leistung

Die Netz­nut­zungs­ent­gel­te am stärks­ten sen­ken wol­len die Netz­wer­ke Saar­lou­is (Saar­land). Hier sin­ken die Kos­ten um ‑14,51 Pro­zent auf 2,12 ct/​kWh. Eine ähn­lich star­ke Sen­kung ist bei den Stadt­wer­ken Neckar­sulm (Baden-Würt­tem­berg) zu erwar­ten. Die Durch­lei­tungs­kos­ten ver­rin­gern sich hier um ‑14,19 Pro­zent auf 1,69 ct/​kWh. Auch die SSW Netz (Saar­land) wird im neu­en Jahr nied­ri­ge­re Kos­ten ver­an­schla­gen. Hier zeigt sich eine Sen­kung um ‑13,33 Pro­zent auf 1,63 ct/​kWh. Durch einen Netz­be­trei­ber­wech­sel von Han­se­gas zu Tra­ve­Netz dür­fen sich auch Haus­hal­te in Meck­len­burg-Vor­pom­mern freu­en. In eini­gen Orten sin­ken die Ent­gel­te dort deut­lich, z. B. in Meet­zen, Königs­feld und Hohl­dorf um ‑21,62 Pro­zent auf 1,77 ct/​kWh.

Eine star­ke Erhö­hung steht hin­ge­gen im Netz­ge­biet der Stadt­wer­ke Büdin­gen in Hes­sen bevor. Hier stei­gen die Netz­kos­ten auf 1,58 ct/​kWh und somit um +37,17 Pro­zent. Die säch­si­schen Stadt­wer­ke Anna­berg-Buch­holz Ener­gie erhö­hen auf 2,04 ct/​kWh. Das ist ein Plus von 28,87 Pro­zent. Auch die baden-würt­tem­ber­gi­sche Erms­talEner­gie Det­tin­gen an der Erms ver­an­schlagt mit Netz­kos­ten von 2,37 ct/​kWh zukünf­tig +17,46 Pro­zent mehr als noch im Jahr zuvor.

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der vor­läu­fi­gen Gas­netz­ent­gel­te 2021 gegen­über 2020
Abnah­me­fall: Fami­li­en­haus­halt, 18.000 kWh/​a, 11 kW Leistung

Der sich wei­ter fort­set­zen­de Trend zur Preis­stei­ge­rung bei den Gas­netz­ent­gel­ten dürf­te Ver­trie­be zum Han­deln zwin­gen. Geben sie die Kos­ten direkt an ihre Kun­den wei­ter, so ist es denk­bar, dass Anbie­ter­wech­sel die Fol­ge sind. Zusätz­lich zu den stei­gen­den Durch­lei­tungs­kos­ten könn­te auch die kom­men­de CO2-Beprei­sung dazu bei­tra­gen, dass der Gas­preis im kom­men­den Jahr ins­ge­samt steigt. Der CO2-Preis soll 2021 zunächst 25 Euro pro Ton­ne betra­gen. Das ent­spricht 0,455 ct/​kWh. Ein Blick auf die end­gül­ti­gen Ent­gel­te am Jah­res­en­de wird zumin­dest zei­gen, wohin die Rei­se in den Ver­teil­net­zen geht.

Metho­dik: Der Berech­nung lie­gen die bis­lang ver­öf­fent­lich­ten vor­läu­fi­gen Ent­gel­te von 650 der 692 Ver­teil­netz­be­trei­ber zugrun­de, die einer Gebiets­ab­de­ckung der bun­des­deut­schen Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen (syn­onym Postor­te) von rund 96 Pro­zent ent­spre­chen. Alle Prei­se ver­ste­hen sich net­to. Der durch­schnitt­li­che Jah­res­preis der Netz­ent­gel­te des geson­dert betrach­te­ten Abnah­me­falls wur­de nach Netz­grö­ße (Anzahl der ange­schlos­se­nen Postor­te) gewich­tet. Feh­len­de Anga­ben wer­den in den Kar­ten eben­so wie Gebie­te ohne Gas­ver­sor­gung weiß dar­ge­stellt. Der ermit­tel­te Jah­res­preis setzt sich zusam­men aus den Netz­kos­ten und den Kos­ten für das Mess­sys­tem (Stan­dard­mess­kon­fi­gu­ra­ti­on).

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