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Uneinheitliche Entgeltentwicklung erschwert Gasvertrieb

Auch die Gasnetzbetreiber geben in jedem Oktober die vorläufigen Durchleitungsgebühren für das folgende Jahr bekannt. Anders als im Bereich Strom (vgl. NNS-Newsletter Nr. 100) zeigen sich hier nicht durchweg tendenzielle Erhöhungen. Vielmehr ergibt sich abhängig vom Abnahmefall ein differenziertes Bild. Als Analysegrundlage dienen die bis zum 17. Oktober veröffentlichten Entgelte der Verteilnetzbetreiber, die bereits 80,3 Prozent der gasversorgten Postleitzahl-Ort-Kombinationen abdecken.

Im bundesweiten, nach Netzgröße gewichteten Durchschnitt spart 2017 beispielsweise ein Single-Haushalt mit einem Jahresbedarf von 7.000 kWh rund 2,9 Prozent an den Netzentgelten. In Summe sind dies allerdings nur etwa 5,13 Euro, auf das Jahr betrachtet werden im Schnitt 150 Euro fällig. Weniger spart dagegen ein Familienhaushalt mit 20.000 kWh Gasverbrauch, 2017 werden dafür im Schnitt 326,20 Euro an Gebühren berechnet und damit 0,3 Prozent weniger als 2016.

Die Situation bei Gewerbekunden sowohl im SLP- als auch im RLM-Segment weicht ab. Ein Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von 200.000 kWh (SLP) wird im Schnitt mit 1,5 Prozent höheren Entgelten belastet, was Jahreskosten in Höhe von 2.532,72 Euro (1,27 ct/kWh) entspricht. Die gleiche prozentuale Steigerung erwartet einen RLM-Kunden mit 5.000.000 kWh Gasabnahme. Für die Durchleitung einer Kilowattstunde werden hier 0,83 ct/kWh fällig, damit steigen die jährlichen Entgelte um 474,54 auf 41.273,47 Euro.

Gemessen am typischen Jahresverbrauch werden Single-Haushalte 2017 im Saarland durchschnittlich am stärksten entlastet. Die Netzentgelte sinken dort um 10,8 Prozent bzw. um 23,98 auf 183,15 Euro, was allerdings noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt. Auf die größte Steigerung müssen sich dagegen Berliner Haushalte einstellen, deren Gebührenlast um 13,5 Prozent bzw. 13,04 Euro steigen wird. Die Jahreskosten von 109,74 Euro bzw. Durchleitungsgebühren von 1,57 ct/kWh stellen dennoch die günstigsten Werte für ein Bundesland dar. Ganz anders zeigt sich die Situation in Mecklenburg-Vorpommern. Zwar sinken auch dort die Netznutzungsentgelte um 5,2 Prozent bzw. 13,52 Euro, bleiben jedoch mit 231,65 Euro (3,31 ct/kWh) die bundesweit teuersten. Die gemittelten Entgelte weisen je nach Bundesland somit Unterschiede von bis zu 111,1 Prozent auf.

Die höchste prozentuale Steigerung lässt sich im Netzbereich der SWV Regional GmbH im niedersächsischen Bad Rothenfelde beobachten (+51,1 % auf 210,26 Euro bzw. 3,00 ct/kWh). Deutliche Verteuerungen finden sich auch in den Netzen der Stadtwerke Norderstedt in Schleswig-Holstein (+21,7 % auf 129,24 Euro bzw. 1,85 ct/kWh) und der Erdgas Mittelsachsen GmbH in Sachsen-Anhalt (+19,7 % auf 218,27 Euro bzw. 3,12 ct/kWh). Insgesamt erhöhen sich die Gebühren in 335 Postorten um mehr als 10 Prozent, darunter finden sich Verteilnetzbetreiber wie die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg mbH sowie die Westfalen Weser Netz GmbH. In nur 5 Postorten bleiben die Entgelte 2017 unverändert.

Dem stehen allerdings sinkende Gebühren in insgesamt 6.378 Postorten gegenüber, davon in 834 Fällen um mehr als 10 Prozent. Darunter finden sich Verteilnetzbetreiber wie die NGN Netzgesellschaft Niederrhein GmbH, SWM Infrastruktur Region GmbH, DREWAG Netz GmbH, Gasversorgung Vorpommern Netz GmbH, Pfalzgas GmbH, Netze BW GmbH und Energienetze Bayern GmbH. Die größten Nachlässe lassen sich in den Netzbereichen der rheinland-pfälzischen Gemeindewerke Bobenheim-Roxheim GmbH (-29,2 % auf 81,87 Euro bzw. 1,17 ct/kWh) und Stadtwerke Ramstein-Miesenbach GmbH (-19,9 % auf 94,57 Euro bzw. 1,17 ct/kWh) sowie der Stadtwerke Ditzingen GmbH in Baden-Württemberg (-19,5 % auf 108,32 Euro bzw. 1,55 ct/kWh) beobachten. Die teuersten Entgelte werden abgesehen von einzelnen Arealnetzen 2017 in den Verteilgebieten der Netrion GmbH in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz fällig (-9,9 % auf 290,89 Euro bzw. 4,16 ct/kWh). Die günstigsten Gebühren finden sich dagegen in der niedersächsischen Stadt Norden (-7,6 % auf 71,90 Euro bzw. 1,03 ct/kWh). Zwischen beiden Extrema lässt sich somit eine Preisspreizung von 304,6 Prozent feststellen.

Private Gaskunden können sich in der Grundversorgung aktuell bereits vielfach über Preissenkungen freuen, da die angestammten Unternehmen Beschaffungsvorteile an ihre Kunden durchreichen (vgl. EKG-Newsletter Nr. 52). Mit der sich abzeichnenden Entwicklung der Entgelte könnten regional weitere Gaskunden auf Preissenkungen hoffen. Dennoch sind die Entgelte überwiegend mit dem Status „vorläufig“ gekennzeichnet, könnten sich zu Jahreswechsel somit noch ändern. Für Vertriebe stellt sich gerade bei der uneinheitlichen Entwicklung mehr denn je die anspruchsvolle Aufgabe einer kostendeckenden, netzscharfen Kalkulation.

Methodik: Alle Preise verstehen sich netto. Die Durchschnittswerte der Netzentgelte wurden nach Netzgröße (Zahl der belieferten Postorte) gewichtet. Postorte (Postleitzahl-Ort-Kombinationen) können mehrfach gezählt werden, wenn es dort mehrere aktive Netzbetreiber gibt. In der Berechnung wurden nur Netzbetreiber berücksichtigt, die ein vorläufiges Entgelt für 2017 bekannt gegeben haben. Der spezifische Kilowattstundenpreis setzt sich zusammen aus den Netzkosten (Arbeitspreis + auf die Jahresarbeit umgelegter Grundpreis) und den Kosten für die Messung (ebenfalls auf die Jahresarbeit umgelegt).

Newsletter NNG 061 - Veränderung NNG 2017 (vorläufig)

Veränderung der vorläufigen Netzentgelte 2017 gegenüber 2016 in Prozent
(Gewerbe, SLP, Niederspannung, 40.000 kWh)
Weiße Flächen = Noch kein vorläufiges Entgelt veröffentlicht

Hätten Sie‘s gewusst?

Im Zusammenhang mit dem neuen Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) wurden weitere Gesetze ebenfalls novelliert. Betroffen sind unter anderen das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), die Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) sowie ein Dutzend weiterer Gesetze.

Im novellierten MsbG ist festgelegt, dass es ab dem 1. Januar 2017 keine gesonderten Abrechnungspreise mehr gibt. Eine entsprechende Änderung der GasNEV erfolgte dagegen nicht. Die Bundesnetzagentur stellte dazu ausdrücklich fest, dass das höherrangige Gesetz die Verordnung in Hinblick auf Abrechnungsentgelte außer Kraft setzt: „Ein Entgelt für die Abrechnung wird ungeachtet der abweichenden Bestimmung in § 15 Abs. 7 GasNEV aufgrund des höherrangigen § 7 Abs. 2 S. 2 MsbG ab dem 01.01.2017 nicht mehr ausgewiesen; die Kosten für die Abrechnung sind Bestandteil der Netzentgelte. Die Entgelte für Messung und Messstellenbetrieb werden pro Ausspeisepunkt erhoben.“

Damit auf unsere Datenbank Netznutzung zugreifende Applikationen nicht die Kalkulation abbrechen oder einen Fehler produzieren, werden wir wie gewohnt alle Datensätze zu Zählern mit dem Preis „0“ erzeugen. Dies gilt sowohl für Strom als auch für Gas.

Im Gegensatz zu Strom dürfen im Gas die Messentgelte weiterhin separiert in Messstelle und Messdienstleistung ausgewiesen werden. Anhand der bisherigen Netzentgelt-Veröffentlichungen lässt sich allerdings auch im Gas feststellen, dass einige Marktpartner diese Komponenten bereits zusammengeführt haben. Sofern dies der Fall ist, sind die Messdienstleistungen mit dem Preis „0“ in der Datenbank hinterlegt.

Bitte wenden Sie sich mit Rückfragen jederzeit an uns!

Raus aus dem Schnittstellensumpf.

Newsletter NNG 061 - Anzeigenmotiv E-world 2017


Der wachsende Grad der Digitalisierung im Tagesgeschäft von Energievertrieben erfordert zunehmende Interaktion unterschiedlicher Softwarelösungen und -module. Immer häufiger erfordert dies die zeit- und kostenintensive Entwicklung individueller Schnittstellen, ohne die ein Datenaustausch erschwert wird und Geschäftsprozesse ins Stocken geraten.

ene't Firmengründer Dipl.-Ing. Peter Martin Schroer setzt sich daher für einen gemeinsamen Datenstandard ein, der solche Schnittstellen ablösen soll. Mit zehn gleichgesinnten Unternehmen gründete er die „Interessengemeinschaft Geschäftsobjekte für die Energiewirtschaft e. V.“, die gemeinsam einen offenen Standard für die IT-Infrastruktur von Energievertrieben und Marktpartnern entwickeln wird.

Erfahren Sie mehr unter www.bo4e.de oder besuchen Sie uns auf der E-world 2017.

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    Alexander Moll M. A.

Fachabteilung

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    Detlef Vondeberg

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    Dipl.-Ing. Peter Martin Schroer

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