Aktuelles | 04. Januar 2021

Endgültige Netzentgelte Strom: Nur wenige Anpassungen, dafür aber teils deutlich

Bei der Betrachtung der vorläufigen Stromnetzentgelte zeigte sich im Oktober nur eine moderate Steigerung (vgl. Newsletter 111). Die endgültigen Entgelte bestätigen diesen Trend – unter anderem vermutlich auch, weil sich an den vorläufigen Übertragungsnetzentgelten nichts geändert hat. TenneT senkt die Kosten, 50Hertz, Amprion und Transnet BW hatten Steigerungen angekündigt. Für die aktuelle Auswertung wurden die Kostenentwicklungen in 14.387 Postorten untersucht. Gegenstand der Betrachtung sind die veröffentlichten endgültigen Netzentgelte für das Jahr 2021 von 625 der insgesamt 880 Netzbetreiber. Dies entspricht einer nach Postorten gewichteten Gebietsabdeckung von nahezu 99 Prozent.

Betrach­tet man eini­ge kon­kre­te Abnah­me­fäl­le, so zeigt sich auch hier, dass die Stei­ge­run­gen – wenn über­haupt – nur recht gering aus­fal­len. Ein Sin­gle-Haus­halt mit einem durch­schnitt­li­chen Ver­brauch von 1.500 kWh muss in die­sem Jahr bei­spiels­wei­se Netz­kos­ten in Höhe von 163,38 Euro ent­rich­ten. Im Ver­gleich zum Vor­jahr mit 162,20 Euro ist dies eine Stei­ge­rung von +0,73 Pro­zent. Fami­li­en­haus­hal­te mit einem Durch­schnitts­ver­brauch von 4.000 kWh zah­len in die­sem Jahr 315,05 Euro anstatt 314,47 Euro. Dies ent­spricht einer Erhö­hung von nur +0,19 Pro­zent. Gewer­be­be­trie­be, die einen Ver­brauch von 40.000 kWh jähr­lich haben, zah­len in die­sem Jahr sogar weni­ger als noch in 2020. Hier sin­ken die Netz­kos­ten ins­ge­samt von 2.507,14 Euro auf 2.499,10 Euro und damit um ‑0,32 Pro­zent. Auch in leis­tungs­ge­mes­se­nen Gewer­be­be­trie­ben mit höhe­ren Ver­bräu­chen stei­gen die Netz­kos­ten nur gering­fü­gig an:

  • Gewer­be (RLM, Nie­der­span­nung, 35 kW, 100.000 kWh/​a, >2.500 h): +0,58 % auf 6.296,07 Euro
  • Gewer­be (RLM, Nie­der­span­nung, 50 kW, 100.000 kWh/​a, <2.500 h): +0,41 % auf 7.031,25 Euro
  • Gewer­be (RLM, Mit­tel­span­nung, 150 kW, 400.000 kWh/​a, >2.500 h): +0,89 % auf 20.587,08 Euro
  • Gewer­be (RLM, Mit­tel­span­nung, 200 kW, 400.000 kWh/​a, <2.500 h): +0,99 % auf 22.451,07 Euro

Für einen bei­spiel­haft gewähl­ten Fami­li­en­haus­halt mit einem durch­schnitt­li­chen Jah­res­ver­brauch von 3.500 kWh ver­an­schlagt das Elek­tri­zi­täts­werk Hin­de­lang in Bay­ern mit 12,35 ct/​kWh in die­sem Jahr die höchs­ten Netz­ent­gel­te. Auch die Stadt­wer­ke Lam­brecht (Pfalz) aus Rhein­land-Pfalz lie­gen mit 12,15 ct/​kWh im bun­des­wei­ten Preis­ver­gleich sehr weit oben. Teu­er wird es eben­falls für Mus­ter­kun­den der Ver­sor­gungs­be­trie­be Bor­des­holm in Schles­wig-Hol­stein mit 12,01 ct/​kWh. Erwäh­nens­wert ist hier, dass sie im Regel­ge­biet der Ten­neT lie­gen, wel­cher als ein­zi­ger der vier Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber die Netz­ent­gel­te senkt. 

Die nied­rigs­ten Netz­ent­gel­te für den genann­ten Mus­ter­haus­halt berech­net die EVE Netz aus Nie­der­sach­sen mit 4,81 ct/​kWh. Auch die Ener­gie­net­ze Bay­ern sind mit 4,91 ct/​kWh ver­gleichs­wei­se güns­tig. Eben­so die Regens­burg Netz GmbH aus Bay­ern: Hier zah­len Fami­li­en­haus­hal­te 5,22 ct/​kWh für die Netz­ent­gel­te. Alle drei Netz­be­trei­ber lie­gen im Gebiet der Ten­neT mit gesun­ke­nen Übertragungsnetzentgelten.

Preis­ni­veau der end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te Strom 2021 in ct/​kWh
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh, SLP, Niederspannung

Die größ­te pro­zen­tua­le Stei­ge­rung ver­zeich­nen eben­falls die oben bereits genann­ten Stadt­wer­ke Lam­brecht (Pfalz). Sie haben die Netz­ent­gel­te für 2021 im Ver­gleich zu denen von 2020 um +33,56 Pro­zent ange­ho­ben, näm­lich von 9,1 ct/​kWh auf 12,15 ct/​kWh. Dies ist gleich­zei­tig die stärks­te abso­lu­te Stei­ge­rung in Bezug zum Vor­jahr inner­halb Deutsch­lands. Eine wei­te­re ver­gleichs­wei­se hohe pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung fin­det sich im Netz­ge­biet der Stadt­wer­ke Met­zin­gen in Baden-Würt­tem­berg. Hier stei­gen die Netz­ent­gel­te um +29,72 Pro­zent, von 5,2 ct/​kW auf 6,75 ct/​kWh. Die Stadt­wer­ke lie­gen im Regel­ge­biet der Trans­netBW, wel­che die Über­tra­gungs­netz­ent­gel­te für 2021 mit +10 Pro­zent am stärks­ten erhöht hat. Auch bei den Stadt­wer­ken Ram­stein-Mie­sen­bach aus Rhein­land-Pfalz stei­gen die Netz­ent­gel­te ver­gleichs­wei­se stark: um +29,72 Pro­zent, von 5,24 ct/​kWh auf 6,48 ct/​kWh.

Eine star­ke abso­lu­te Ver­än­de­rung zeigt sich bei der Saer­be­cker Ver- und Ent­sor­gungs­ge­sell­schaft. Im Ver­gleich zum Vor­jahr stei­gen die Netz­ent­gel­te hier um 1,76 ct/​kWh. Im deutsch­land­wei­ten Ver­gleich der end­gül­ti­gen Ent­gel­te lie­gen die Stadt­wer­ke Schwar­zen­berg mit einer Ver­än­de­rung von 1,66 ct/​kWh zwi­schen 2020 und 2021 eben­falls sehr weit oben. 

Die stärks­ten pro­zen­tua­len Sen­kun­gen sind auf Netz­be­trei­ber­wech­sel zurück­zu­füh­ren. Dies ist zum Bei­spiel bei Strom­netz Weil­heim in Bay­ern der Fall (Wech­sel von Bay­ern­werk Netz). Für den Fami­li­en­haus­halt wer­den in die­sem Jahr ‑34,9 Pro­zent weni­ger Netz­ent­gel­te fäl­lig, als noch im Vor­jahr. Sie sin­ken von 8,12 ct/​kWh auf 5,29 ct/​kWh. Im abso­lu­ten bun­des­deut­schen Ver­gleich ist dies die zweit­stärks­te Redu­zie­rung. Fami­li­en­haus­hal­te in zahl­rei­chen Postor­ten in Schles­wig-Hol­stein pro­fi­tie­ren von einem Netz­be­trei­ber­wech­sel von der Schles­wig-Hol­stein Netz zur Tra­ve­Netz. Dort sin­ken die Ent­gel­te jetzt von11,63 ct/​kWh auf 7,74 ct/​kWh und damit um ‑33,48 Pro­zent. Die Tra­ve­Netz ver­zeich­net damit auch die größ­te abso­lu­te Kos­ten­sen­kung. Ein Netz­be­trei­ber­wech­sel (von Ava­con Netz zu den Stadt­wer­ken Elm-Lapp­wald) kommt auch den Mus­ter­haus­hal­ten in meh­re­ren Postor­ten in Nie­der­sach­sen zugu­te. Dort sin­ken die Netz­ent­gel­te von 8,59 ct/​kWh auf 5,96 ct/​kWh und damit um ‑30,6 Pro­zent. Auch bezo­gen auf den Cent­preis pro Kilo­watt­stun­de liegt die­ser Netz­be­trei­ber im bun­des­wei­ten Ver­gleich auf Platz drei. Die güns­tigs­ten Netz­be­trei­ber ohne Betrei­ber­wech­sel sind die Gemein­de­wer­ke Nie­fern-Öschel­bronn (-19,94 Pro­zent), die Stadt­wer­ke Klin­gen­berg (-17,89 Pro­zent) sowie die EVE Netz (-17,20 Prozent).

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der end­gül­ti­gen Strom­netz­ent­gel­te 2021 gegen­über 2020
Abnah­me­fall: Fami­li­en-Haus­halt, 3.500 kWh, SLP, Niederspannung

In ins­ge­samt 544 Postor­ten wur­den die end­gül­ti­gen Strom­netz­ent­gel­te nach unten ange­passt, um max. 27,96 Pro­zent bzw. 2,31 ct/​kWh. In 580 Postor­ten wur­den die Kos­ten nach oben kor­ri­giert und zwar um max. 28,11 Pro­zent bzw. 1,69 ct/​kWh. In 13.263 Postor­ten – und damit der gro­ßen Mehr­heit – blei­ben die end­gül­ti­gen Ent­gel­te im Ver­gleich zu den als vor­läu­fig“ gekenn­zeich­ne­ten unver­än­dert. Die durch­schnitt­li­che Anpas­sung der end­gül­ti­gen in Bezug auf die vor­läu­fi­gen Ent­gel­te liegt damit bei nur ‑0,025 Prozent.

Die stärks­te Sen­kung zwi­schen den vor­läu­fi­gen und end­gül­ti­gen Ent­gel­ten fin­det sich bei den Stadt­wer­ken Elm-Lapp­wald in Nie­der­sach­sen mit ‑27,96 Pro­zent, von 8,28 ct/​kWh auf 5,96 ct/​kWh. Redu­ziert haben auch die Stadt­wer­ke Lan­gen in Hes­sen: um ‑7,38 Pro­zent, von 7,72 ct/​kWh auf 7,15 ct/​kWh. Bei den Stadt­wer­ken Schwein­furt in Bay­ern zeigt sich eben­falls eine Kor­rek­tur nach unten. Sie bezif­fern die end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­te mit 7,28 ct/​kWh. Aus­ge­hend von den als vor­läu­fig“ gekenn­zeich­ne­ten Ent­gel­ten 7,72 ct/​kWh ist dies eine Sen­kung um ‑5,7 Prozent.

Höhe­re Ent­gel­te als zunächst ver­mu­tet wird die baye­ri­sche EVU Gemein­de Hem­ho­fen Strom­ver­sor­gung berech­nen. Die end­gül­ti­gen Durch­lei­tungs­ge­büh­ren stei­gen im Ver­gleich zu den vor­läu­fi­gen um +28,11 Pro­zent, von 6,01 ct/​kWh auf 7,7 ct/​kWh. Auch die säch­si­schen Stadt­wer­ke Schwar­zen­berg ver­an­schla­gen mehr, als noch im Okto­ber ange­ge­ben. Dort stei­gen die Ent­gel­te von 9,11 ct/​kWh auf 10,33 ct/​kWh. Dies ist ein Plus von +13,39 Pro­zent. Eine Kor­rek­tur nach oben fin­det sich eben­falls bei den Stadt­wer­ken Olching Strom­netz in Bay­ern. Die end­gül­ti­gen Ent­gel­te ver­än­dern sich hier von 5,2 ct/​kWh auf 5,85 ct/​kWh und damit um +12,59 Prozent.

Die zwar weni­gen, aber den­noch teils deut­li­chen genann­ten Ver­än­de­run­gen in den end­gül­ti­gen Netz­ent­gel­ten zei­gen, wie wich­tig es ist, Ent­gel­te nicht nur ein­ma­lig zu kal­ku­lie­ren. Die aktu­el­len Kos­ten­ent­wick­lun­gen müs­sen regel­mä­ßig im Blick behal­ten und ver­gli­chen wer­den. Dar­aus resul­tie­rend soll­te auch das eige­ne Mar­gen­po­ten­zi­al regel­mä­ßig geprüft und bei Bedarf ange­passt wer­den, um jeder­zeit wett­be­werbs­fä­hig zu bleiben. 

Metho­dik: Alle Prei­se ver­ste­hen sich net­to. Der durch­schnitt­li­che spe­zi­fi­sche Arbeits­preis der Netz­ent­gel­te wur­de nach Netz­grö­ße (Anzahl der ange­schlos­se­nen Postor­te) gewich­tet. In den Berech­nun­gen wur­den nur Netz­be­trei­ber berück­sich­tigt, die bereits ein end­gül­ti­ges Ent­gelt für 2021 bekannt­ge­ge­ben haben. Der spe­zi­fi­sche Kilo­watt­stun­den­preis setzt sich zusam­men aus den Netz­kos­ten (Arbeits­preis + auf die Jah­res­ar­beit umge­leg­ter Grund­preis) und den Kos­ten für das Mess­sys­tem (Ein­ta­rif Drehstromzähler).

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