Aktuelles | 08. Oktober 2026

Netzentgelte 2027: Strom wird trotz höherer ÜNB-Entgelte größtenteils günstiger

  • ÜNB-Entgelte steigen von 2,86 auf 3,54 ct/kWh
  • Bundeszuschuss von 5,525 Milliarden Euro nötig, um stärkeren Anstieg der Übertragungsnetzentgelte zu deckeln
  • Stromnetzentgelte für Haushalte sinken nach aktuellem Stand dennoch im Schnitt um bis zu -1 Prozent
  • Gasnetzentgelte steigen je nach Abnahmefall durchschnittlich um rund +1,2 bis +1,4 Prozent

Die ers­ten ver­öf­fent­lich­ten Preis­blät­ter zu den vor­läu­fi­gen Netz­nut­zungs­ent­gel­ten 2027 zei­gen ein dif­fe­ren­tes Bild. Wäh­rend die Gas­netz­ent­gel­te nach aktu­el­lem Stand über alle betrach­te­ten Abnah­me­fäl­le hin­weg leicht stei­gen, sin­ken die Strom­netz­ent­gel­te für Haus­hal­te und Gewer­be­kun­den in der Nie­der­span­nung. Dies war nicht unbe­dingt erwart­bar, da die vor­ge­la­ger­ten Netz­ent­gel­te der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber im kom­men­den Jahr deut­lich höher aus­fal­len.

Im Strom­be­reich lie­gen bis­lang die Preis­blät­ter von zwölf Netz­be­trei­bern vor, die zusam­men 56,6 Pro­zent des strom­ver­sorg­ten Gebiets abde­cken. Außer­dem haben 46 Gas-Ver­teil­netz­be­trei­ber ihre vor­läu­fi­gen Ent­gel­te für das kom­men­de Jahr ver­öf­fent­licht. Ihre Netz­ge­bie­te decken rund 42,9 Pro­zent der gas­ver­sorg­ten Flä­che ab. Damit las­sen sich bereits ers­te Trends für 2027 ablesen.

Dif­fe­ren­te Ent­wick­lung im Strom

Bei den Strom­netz­ent­gel­ten kön­nen sich Haus­halts­kun­den nach aktu­el­lem Stand auf eine leich­te Ent­las­tung ein­stel­len, vor­aus­ge­setzt, die Ver­trie­be geben die Ent­las­tun­gen über ihre Kal­ku­la­tio­nen wei­ter. Ein Mus­ter­haus­halt mit einem jähr­li­chen Strom­ver­brauch von 4.000 kWh bezahlt im nach Netz­grö­ße gewich­te­ten Durch­schnitt 354,39 Euro für die Netz­nut­zung. Das sind ‑1,0 Pro­zent weni­ger als im Vorjahr.

Auch Gewer­be­kun­den in der Nie­der­span­nung pro­fi­tie­ren nach jet­zi­gem Stand von sin­ken­den Netz­ent­gel­ten. Bei einem Jah­res­ver­brauch von 40.000 kWh redu­zie­ren sich die Kos­ten um ‑1,6 Pro­zent von 2.715,26 auf 2.672,45 Euro. Bei höhe­ren Abnah­me­fäl­len in der Mit­tel­span­nung zeigt sich dage­gen ein ande­res Bild.

Abnah­me­fallKun­den­grup­peSpan­nungs­ebe­neNetz­kos­ten 2027 [€]Netz­kos­ten 2026 [€]Ver­än­de­rung [%]
1.500 kWhHaus­haltNSP o. LM193,42194,19-0,4
4.000 kWhHaus­haltNSP o. LM354,39357,89-1,0
40.000 kWhGewer­beNSP o. LM2.672,452.715,26-1,6
100.000 kWh / 35 kWGewer­beNSP m. LM, über 2.500 h7.087,197.141,63-0,8
100.000 kWh / 50 kWGewer­beNSP m. LM, unter 2.500 h7.940,168.004,47-0,8
400.000 kWh / 150 kWGewer­beMSP m. LM, über 2.500 h20.124,2919.451,45+3,5
400.000 kWh / 200 kWGewer­beMSP m. LM, unter 2.500 h21.956,0821.220,09+3,5

Die Ent­wick­lung in der Nie­der­span­nung ist inso­fern bemer­kens­wert, dass die Netz­ent­gel­te sin­ken, obwohl die vor­ge­la­ger­ten Ent­gel­te der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber gleich­zei­tig deut­lich stei­gen. Für mitt­le­re Haus­hal­te und klei­ne­re Gewer­be­be­trie­be fällt die Ent­las­tung nach aktu­el­lem Erfas­sungs­stand sogar stär­ker aus als bei den höhe­ren Nie­der­span­nungs-Abnah­me­fäl­len. Auf Mit­tel­span­nungs­ebe­ne kehrt sich das Bild aller­dings um. Hier stei­gen die Netz­kos­ten in den bei­den betrach­te­ten Fäl­len um jeweils +3,5 Prozent.

Die Ent­wick­lung der Ver­teil­netz­ent­gel­te lässt sich nicht allein aus der Ent­wick­lung der Über­tra­gungs­netz­ent­gel­te ablei­ten. Die vor­ge­la­ger­ten Kos­ten sind zwar ein Bestand­teil der Kal­ku­la­ti­on der Ver­teil­netz­be­trei­ber. Hin­zu kom­men jedoch wei­te­re netz­spe­zi­fi­sche Kos­ten­be­stand­tei­le, sodass sich Ver­än­de­run­gen regio­nal und nach Span­nungs­ebe­ne unter­schied­lich auswirken.

Auch auf Ebe­ne der ein­zel­nen Ver­teil­netz­be­trei­ber zei­gen sich deut­li­che Unter­schie­de. Im Netz der Nord­Netz wer­den für den betrach­te­ten Mus­ter­haus­halt mit 4.000 kWh Jah­res­ver­brauch 237,93 Euro fäl­lig. Damit weist der Betrei­ber nach aktu­el­lem Stand das nied­rigs­te Preis­ni­veau auf. Gegen­über 2026 stei­gen die jähr­li­chen Kos­ten aller­dings um +10,80 Euro bezie­hungs­wei­se +4,8 Prozent.

Die höchs­ten Kos­ten fal­len bei der West­netz an, die eine ver­gleichs­wei­se gro­ße Flä­che ver­sorgt. Hier bezahlt ein Mus­ter­haus­halt 432,60 Euro an Ent­gel­ten im Jahr. Den­noch zeigt sich eine deut­li­che Redu­zie­rung des hohen Preis­ni­veaus um ‑41,95 Euro bezie­hungs­wei­se ‑8,8 Pro­zent gegen­über dem Vor­jahr sin­ken. Der spe­zi­fi­sche Arbeits­preis redu­ziert sich damit um ‑1,04 auf 10,82 ct/​kWh.

Die größ­te pro­zen­tua­le Erhö­hung unter den bis­lang erfass­ten Netz­be­trei­bern nimmt die Bay­ern­werk Netz vor. Dort stei­gen die jähr­li­chen Kos­ten für den betrach­te­ten Mus­ter­haus­halt um +31,60 Euro bezie­hungs­wei­se +10,6 Pro­zent auf 329,40 Euro. Der Arbeits­preis erhöht sich von 7,45 auf 8,24 ct/​kWh.

Damit ste­hen bei den Strom­netz­ent­gel­ten sin­ken­de Durch­schnitts­wer­te einer wei­ter­hin erheb­li­chen regio­na­len Sprei­zung gegen­über. Nach aktu­el­lem Ver­öf­fent­li­chungs­stand lie­gen für den Mus­ter­haus­halt 2027 knapp 195 Euro jähr­lich zwi­schen dem güns­tigs­ten und dem teu­ers­ten Netz­ge­biet. Ob sich die­se Trends mit der Ver­öf­fent­li­chung wei­te­rer Preis­blät­ter bestä­ti­gen, bleibt abzuwarten.

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der vor­läu­fi­gen Netz­ent­gel­te Strom 2027 gegen­über 2026
Abnah­me­fall: Fami­­­­li­en-Haus­halt, 4.000 kWh/​Jahr, SLP, Niederspannung

Vor­ge­la­ger­te Netz­ent­gel­te stei­gen deut­lich trotz KTF-Zuschuss

Die bis­lang ver­öf­fent­lich­ten Preis­blät­ter ste­hen in zwei­er­lei Hin­sicht noch unter Vor­be­halt. Zum einen sind sie als ​„vor­läu­fig“ gekenn­zeich­net und kön­nen sich zum Jah­res­wech­sel noch ein­mal ändern. Zum ande­ren wären die vor­ge­la­ger­ten Ent­gel­te auf Über­tra­gungs­netz­ebe­ne noch stär­ker gestie­gen als ohne­hin, wäre der Anstieg nicht erneut durch einen Zuschuss aus dem Bun­des­haus­halt gede­ckelt worden. 

Die vier deut­schen Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber 50Hertz, Ten­neT, Ampri­on und Trans­netBW haben am 1. Okto­ber ihre vor­läu­fi­gen bun­des­ein­heit­li­chen Netz­ent­gel­te für 2027 ver­öf­fent­licht. Dabei wur­de ein vom Bun­des­ka­bi­nett beschlos­se­ner Zuschuss von 5,525 Mil­li­ar­den Euro berück­sich­tigt. Der Zuschuss soll aus dem Kli­ma- und Trans­for­ma­ti­ons­fonds (KTF) finan­ziert wer­den und bis ein­schließ­lich 2029 fort­ge­führt wer­den. Für 2027 fällt er um rund eine Mil­li­ar­de Euro nied­ri­ger aus als im lau­fen­den Jahr.

Das dafür not­wen­di­ge Gesetz ist jedoch bis­lang noch nicht ver­ab­schie­det wor­den. Soll­te bis zum 7. Dezem­ber 2026 kei­ne Rechts­si­cher­heit über den Zuschuss bestehen, muss man davon aus­ge­hen, dass die end­gül­ti­gen bun­des­ein­heit­li­chen Über­tra­gungs­netz­ent­gel­te für 2027 deut­lich höher aus­fal­len werden.

Stei­gen­de Gas­netz­ent­gel­te auf brei­ter Front

Bei den Gas­netz­ent­gel­ten zeigt sich aktu­ell ein wesent­lich ein­heit­li­che­res Bild. Nach der­zei­ti­gem Erfas­sungs­stand stei­gen die durch­schnitt­li­chen Netz­kos­ten in allen betrach­te­ten Abnahmefällen.

Ein Mus­ter­haus­halt mit einem Jah­res­ver­brauch von 20.000 kWh und einer instal­lier­ten Leis­tung von 11 kW bezahlt 2027 im Durch­schnitt 603,47 Euro für die Gas­durch­lei­tung. Gegen­über den end­gül­ti­gen Ent­gel­ten für 2026 ent­spricht dies einem Anstieg um +7,25 Euro bezie­hungs­wei­se +1,2 Prozent.

Auch bei klei­ne­ren Haus­hal­ten und Gewer­be­kun­den bewe­gen sich die Stei­ge­run­gen in einer ver­gleich­ba­ren Größenordnung.

Abnah­me­fallKun­den­grup­peDruck­stu­feNetz­kos­ten 2027 [€]Netz­kos­ten 2026 [€]Ver­än­de­rung [%]
7.000 kWh / 6 kWHaus­haltND SLP261,46258,48+1,2
20.000 kWh / 11 kWHaus­haltND SLP603,47596,22+1,2
200.000 kWh / 125 kWGewer­beND SLP4.816,454.753,84+1,3
5.000.000 kWh / 1.450 kWGewer­beMD RLM71.031,0670.062,47+1,4

Damit fällt der Anstieg deut­lich mode­ra­ter aus als bei den vor­läu­fi­gen Gas­netz­ent­gel­ten für 2026. Bei den ein­zel­nen Netz­be­trei­bern ist die Spann­wei­te aller­dings groß. Am teu­ers­ten ist nach aktu­el­lem Erfas­sungs­stand das Netz der E.DIS. Für den Mus­ter­haus­halt mit 20.000 kWh Jah­res­ver­brauch fal­len dort 977,68 Euro an. Das ent­spricht einem Arbeits­preis von 4,89 ct/​kWh. Gegen­über dem Vor­jahr stei­gen die Kos­ten um +17,00 Euro bezie­hungs­wei­se +1,8 Prozent.

Die nied­rigs­ten Kos­ten fin­den sich Stand jetzt bei den Stadt­wer­ken Gre­ven. Dort wer­den für den glei­chen Abnah­me­fall 301,51 Euro bezie­hungs­wei­se 1,51 ct/​kWh berech­net. Gegen­über 2026 ent­spricht dies den­noch einer Erhö­hung um +13,70 Euro oder +4,8 Prozent.

Die größ­te pro­zen­tua­le Erhö­hung nimmt die Thü­ga Ener­gie­net­ze vor. Die jähr­li­chen Kos­ten stei­gen hier um +50,74 Euro bezie­hungs­wei­se +12,1 Pro­zent auf 471,94 Euro. Der Arbeits­preis erhöht sich von 2,11 auf 2,36 ct/​kWh.

Pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der vor­läu­fi­gen Netz­ent­gel­te Gas 2027 gegen­über 2026
Abnah­me­fall: Fami­­­li­en-Haus­halt, 20.000 kWh/​Jahr, 11 kW Leis­tung, SLP, Niederdruck

Es sind aller­dings auch sin­ken­de Netz­ent­gel­te zu beob­ach­ten. Die größ­te pro­zen­tua­le Redu­zie­rung ver­zeich­net nach aktu­el­lem Stand die ene­RE­GIO. Dort gehen die jähr­li­chen Kos­ten um ‑42,40 Euro bezie­hungs­wei­se ‑8,0 Pro­zent auf 489,60 Euro zurück. Der spe­zi­fi­sche Arbeits­preis sinkt von 2,66 auf 2,45 ct/​kWh.

Die Bei­spie­le zei­gen erneut, dass sich hin­ter dem im Durch­schnitt mode­ra­ten Anstieg der Gas­netz­ent­gel­te erheb­li­che regio­na­le Unter­schie­de ver­ber­gen kön­nen. Zwi­schen dem teu­ers­ten und güns­tigs­ten Netz nach aktu­el­lem Ver­öf­fent­li­chungs­stand lie­gen beim betrach­te­ten Mus­ter­haus­halt mehr als 676 Euro pro Jahr.

Die wei­te­re Ent­wick­lung bleibt abzu­war­ten. Da bis­lang erst 46 Gas­netz­be­trei­ber erfasst sind, kön­nen sich die Durch­schnitts­wer­te mit der Ver­öf­fent­li­chung wei­te­rer Preis­blät­ter noch ver­än­dern. ene't erfasst wie auch im Strom zunächst bevor­zugt Flä­chen­netz­be­trei­ber. Klei­ne­re Ver­teil- oder Are­al­net­ze wer­den nach der Anzahl der ange­schlos­se­nen Markt­lo­ka­tio­nen priorisiert.

Alle Preis­blät­ter sind vor­läu­fig. Ände­run­gen bis zum Jah­res­wech­sel sind daher wei­ter­hin mög­lich. Dies gilt ins­be­son­de­re für die Strom­netz­ent­gel­te, bei denen die end­gül­ti­ge Ent­wick­lung der vor­ge­la­ger­ten Netz­kos­ten und die recht­li­che Absi­che­rung des Bun­des­zu­schus­ses noch Ein­fluss auf die Kal­ku­la­ti­on haben kön­nen. Beson­ders Strom­ver­trieb soll­ten die wei­te­re Ent­wick­lung daher genau im Auge behalten.

Metho­dik: Alle Prei­se ver­ste­hen sich net­to. Die durch­schnitt­li­chen Jah­res­kos­ten der Netz­ent­gel­te wur­den nach Netz­grö­ße gewich­tet, gemes­sen an der Anzahl der ange­schlos­se­nen Post­leit­zahl-Ort-Kom­bi­na­tio­nen. In den Berech­nun­gen wur­den nur Netz­be­trei­ber berück­sich­tigt, die bereits ein vor­läu­fi­ges Ent­gelt für 2027 bekannt gege­ben haben. Der spe­zi­fi­sche Kilo­watt­stun­den­preis setzt sich zusam­men aus den Netz­kos­ten (Arbeits­preis + auf die Jah­res­ar­beit umge­leg­ter Grund­preis) und den Kos­ten für das Mess­sys­tem. Graue Flä­chen kenn­zeich­nen Gebie­te ohne ver­öf­fent­lich­tes Ent­gelt, wei­ße Flä­chen Gebie­te ohne Gasversorgung.

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