Die ersten veröffentlichten Preisblätter zu den vorläufigen Netznutzungsentgelten 2027 zeigen ein differentes Bild. Während die Gasnetzentgelte nach aktuellem Stand über alle betrachteten Abnahmefälle hinweg leicht steigen, sinken die Stromnetzentgelte für Haushalte und Gewerbekunden in der Niederspannung. Dies war nicht unbedingt erwartbar, da die vorgelagerten Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber im kommenden Jahr deutlich höher ausfallen.
Im Strombereich liegen bislang die Preisblätter von zwölf Netzbetreibern vor, die zusammen 56,6 Prozent des stromversorgten Gebiets abdecken. Außerdem haben 46 Gas-Verteilnetzbetreiber ihre vorläufigen Entgelte für das kommende Jahr veröffentlicht. Ihre Netzgebiete decken rund 42,9 Prozent der gasversorgten Fläche ab. Damit lassen sich bereits erste Trends für 2027 ablesen.
Differente Entwicklung im Strom
Bei den Stromnetzentgelten können sich Haushaltskunden nach aktuellem Stand auf eine leichte Entlastung einstellen, vorausgesetzt, die Vertriebe geben die Entlastungen über ihre Kalkulationen weiter. Ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh bezahlt im nach Netzgröße gewichteten Durchschnitt 354,39 Euro für die Netznutzung. Das sind ‑1,0 Prozent weniger als im Vorjahr.
Auch Gewerbekunden in der Niederspannung profitieren nach jetzigem Stand von sinkenden Netzentgelten. Bei einem Jahresverbrauch von 40.000 kWh reduzieren sich die Kosten um ‑1,6 Prozent von 2.715,26 auf 2.672,45 Euro. Bei höheren Abnahmefällen in der Mittelspannung zeigt sich dagegen ein anderes Bild.
| Abnahmefall | Kundengruppe | Spannungsebene | Netzkosten 2027 [€] | Netzkosten 2026 [€] | Veränderung [%] |
|---|
| 1.500 kWh | Haushalt | NSP o. LM | 193,42 | 194,19 | -0,4 |
| 4.000 kWh | Haushalt | NSP o. LM | 354,39 | 357,89 | -1,0 |
| 40.000 kWh | Gewerbe | NSP o. LM | 2.672,45 | 2.715,26 | -1,6 |
| 100.000 kWh / 35 kW | Gewerbe | NSP m. LM, über 2.500 h | 7.087,19 | 7.141,63 | -0,8 |
| 100.000 kWh / 50 kW | Gewerbe | NSP m. LM, unter 2.500 h | 7.940,16 | 8.004,47 | -0,8 |
| 400.000 kWh / 150 kW | Gewerbe | MSP m. LM, über 2.500 h | 20.124,29 | 19.451,45 | +3,5 |
| 400.000 kWh / 200 kW | Gewerbe | MSP m. LM, unter 2.500 h | 21.956,08 | 21.220,09 | +3,5 |
Die Entwicklung in der Niederspannung ist insofern bemerkenswert, dass die Netzentgelte sinken, obwohl die vorgelagerten Entgelte der Übertragungsnetzbetreiber gleichzeitig deutlich steigen. Für mittlere Haushalte und kleinere Gewerbebetriebe fällt die Entlastung nach aktuellem Erfassungsstand sogar stärker aus als bei den höheren Niederspannungs-Abnahmefällen. Auf Mittelspannungsebene kehrt sich das Bild allerdings um. Hier steigen die Netzkosten in den beiden betrachteten Fällen um jeweils +3,5 Prozent.
Die Entwicklung der Verteilnetzentgelte lässt sich nicht allein aus der Entwicklung der Übertragungsnetzentgelte ableiten. Die vorgelagerten Kosten sind zwar ein Bestandteil der Kalkulation der Verteilnetzbetreiber. Hinzu kommen jedoch weitere netzspezifische Kostenbestandteile, sodass sich Veränderungen regional und nach Spannungsebene unterschiedlich auswirken.
Auch auf Ebene der einzelnen Verteilnetzbetreiber zeigen sich deutliche Unterschiede. Im Netz der NordNetz werden für den betrachteten Musterhaushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch 237,93 Euro fällig. Damit weist der Betreiber nach aktuellem Stand das niedrigste Preisniveau auf. Gegenüber 2026 steigen die jährlichen Kosten allerdings um +10,80 Euro beziehungsweise +4,8 Prozent.
Die höchsten Kosten fallen bei der Westnetz an, die eine vergleichsweise große Fläche versorgt. Hier bezahlt ein Musterhaushalt 432,60 Euro an Entgelten im Jahr. Dennoch zeigt sich eine deutliche Reduzierung des hohen Preisniveaus um ‑41,95 Euro beziehungsweise ‑8,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr sinken. Der spezifische Arbeitspreis reduziert sich damit um ‑1,04 auf 10,82 ct/kWh.
Die größte prozentuale Erhöhung unter den bislang erfassten Netzbetreibern nimmt die Bayernwerk Netz vor. Dort steigen die jährlichen Kosten für den betrachteten Musterhaushalt um +31,60 Euro beziehungsweise +10,6 Prozent auf 329,40 Euro. Der Arbeitspreis erhöht sich von 7,45 auf 8,24 ct/kWh.
Damit stehen bei den Stromnetzentgelten sinkende Durchschnittswerte einer weiterhin erheblichen regionalen Spreizung gegenüber. Nach aktuellem Veröffentlichungsstand liegen für den Musterhaushalt 2027 knapp 195 Euro jährlich zwischen dem günstigsten und dem teuersten Netzgebiet. Ob sich diese Trends mit der Veröffentlichung weiterer Preisblätter bestätigen, bleibt abzuwarten.
Prozentuale Veränderung der vorläufigen Netzentgelte Strom 2027 gegenüber 2026
Abnahmefall: Familien-Haushalt, 4.000 kWh/Jahr, SLP, Niederspannung
Vorgelagerte Netzentgelte steigen deutlich trotz KTF-Zuschuss
Die bislang veröffentlichten Preisblätter stehen in zweierlei Hinsicht noch unter Vorbehalt. Zum einen sind sie als „vorläufig“ gekennzeichnet und können sich zum Jahreswechsel noch einmal ändern. Zum anderen wären die vorgelagerten Entgelte auf Übertragungsnetzebene noch stärker gestiegen als ohnehin, wäre der Anstieg nicht erneut durch einen Zuschuss aus dem Bundeshaushalt gedeckelt worden.
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, TenneT, Amprion und TransnetBW haben am 1. Oktober ihre vorläufigen bundeseinheitlichen Netzentgelte für 2027 veröffentlicht. Dabei wurde ein vom Bundeskabinett beschlossener Zuschuss von 5,525 Milliarden Euro berücksichtigt. Der Zuschuss soll aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert werden und bis einschließlich 2029 fortgeführt werden. Für 2027 fällt er um rund eine Milliarde Euro niedriger aus als im laufenden Jahr.
Das dafür notwendige Gesetz ist jedoch bislang noch nicht verabschiedet worden. Sollte bis zum 7. Dezember 2026 keine Rechtssicherheit über den Zuschuss bestehen, muss man davon ausgehen, dass die endgültigen bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte für 2027 deutlich höher ausfallen werden.
Steigende Gasnetzentgelte auf breiter Front
Bei den Gasnetzentgelten zeigt sich aktuell ein wesentlich einheitlicheres Bild. Nach derzeitigem Erfassungsstand steigen die durchschnittlichen Netzkosten in allen betrachteten Abnahmefällen.
Ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh und einer installierten Leistung von 11 kW bezahlt 2027 im Durchschnitt 603,47 Euro für die Gasdurchleitung. Gegenüber den endgültigen Entgelten für 2026 entspricht dies einem Anstieg um +7,25 Euro beziehungsweise +1,2 Prozent.
Auch bei kleineren Haushalten und Gewerbekunden bewegen sich die Steigerungen in einer vergleichbaren Größenordnung.
| Abnahmefall | Kundengruppe | Druckstufe | Netzkosten 2027 [€] | Netzkosten 2026 [€] | Veränderung [%] |
|---|
| 7.000 kWh / 6 kW | Haushalt | ND SLP | 261,46 | 258,48 | +1,2 |
| 20.000 kWh / 11 kW | Haushalt | ND SLP | 603,47 | 596,22 | +1,2 |
| 200.000 kWh / 125 kW | Gewerbe | ND SLP | 4.816,45 | 4.753,84 | +1,3 |
| 5.000.000 kWh / 1.450 kW | Gewerbe | MD RLM | 71.031,06 | 70.062,47 | +1,4 |
Damit fällt der Anstieg deutlich moderater aus als bei den vorläufigen Gasnetzentgelten für 2026. Bei den einzelnen Netzbetreibern ist die Spannweite allerdings groß. Am teuersten ist nach aktuellem Erfassungsstand das Netz der E.DIS. Für den Musterhaushalt mit 20.000 kWh Jahresverbrauch fallen dort 977,68 Euro an. Das entspricht einem Arbeitspreis von 4,89 ct/kWh. Gegenüber dem Vorjahr steigen die Kosten um +17,00 Euro beziehungsweise +1,8 Prozent.
Die niedrigsten Kosten finden sich Stand jetzt bei den Stadtwerken Greven. Dort werden für den gleichen Abnahmefall 301,51 Euro beziehungsweise 1,51 ct/kWh berechnet. Gegenüber 2026 entspricht dies dennoch einer Erhöhung um +13,70 Euro oder +4,8 Prozent.
Die größte prozentuale Erhöhung nimmt die Thüga Energienetze vor. Die jährlichen Kosten steigen hier um +50,74 Euro beziehungsweise +12,1 Prozent auf 471,94 Euro. Der Arbeitspreis erhöht sich von 2,11 auf 2,36 ct/kWh.
Prozentuale Veränderung der vorläufigen Netzentgelte Gas 2027 gegenüber 2026
Abnahmefall: Familien-Haushalt, 20.000 kWh/Jahr, 11 kW Leistung, SLP, Niederdruck
Es sind allerdings auch sinkende Netzentgelte zu beobachten. Die größte prozentuale Reduzierung verzeichnet nach aktuellem Stand die eneREGIO. Dort gehen die jährlichen Kosten um ‑42,40 Euro beziehungsweise ‑8,0 Prozent auf 489,60 Euro zurück. Der spezifische Arbeitspreis sinkt von 2,66 auf 2,45 ct/kWh.
Die Beispiele zeigen erneut, dass sich hinter dem im Durchschnitt moderaten Anstieg der Gasnetzentgelte erhebliche regionale Unterschiede verbergen können. Zwischen dem teuersten und günstigsten Netz nach aktuellem Veröffentlichungsstand liegen beim betrachteten Musterhaushalt mehr als 676 Euro pro Jahr.
Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Da bislang erst 46 Gasnetzbetreiber erfasst sind, können sich die Durchschnittswerte mit der Veröffentlichung weiterer Preisblätter noch verändern. ene't erfasst wie auch im Strom zunächst bevorzugt Flächennetzbetreiber. Kleinere Verteil- oder Arealnetze werden nach der Anzahl der angeschlossenen Marktlokationen priorisiert.
Alle Preisblätter sind vorläufig. Änderungen bis zum Jahreswechsel sind daher weiterhin möglich. Dies gilt insbesondere für die Stromnetzentgelte, bei denen die endgültige Entwicklung der vorgelagerten Netzkosten und die rechtliche Absicherung des Bundeszuschusses noch Einfluss auf die Kalkulation haben können. Besonders Stromvertrieb sollten die weitere Entwicklung daher genau im Auge behalten.
Methodik: Alle Preise verstehen sich netto. Die durchschnittlichen Jahreskosten der Netzentgelte wurden nach Netzgröße gewichtet, gemessen an der Anzahl der angeschlossenen Postleitzahl-Ort-Kombinationen. In den Berechnungen wurden nur Netzbetreiber berücksichtigt, die bereits ein vorläufiges Entgelt für 2027 bekannt gegeben haben. Der spezifische Kilowattstundenpreis setzt sich zusammen aus den Netzkosten (Arbeitspreis + auf die Jahresarbeit umgelegter Grundpreis) und den Kosten für das Messsystem. Graue Flächen kennzeichnen Gebiete ohne veröffentlichtes Entgelt, weiße Flächen Gebiete ohne Gasversorgung.